Die Geburtsstunde Virtueller Welten, in der Spieler durch Avatare repräsentiert werden und sich ihre Identität selbst beliebig erschaffen können, schlug bereits Mitte der 80er-Jahre, als das Onlinegame „Habitat“ Verbreitung unter Spielfreudigen aus aller Welt fand. Überfliegt man die Schlagzeilen aus den Massenmedien der letzten Monate, bekommt man schnell den Eindruck, dass sich ein neuer Trend unter den weltweit grassierenden Onlineuniversen herausgebildet hat: Second life. Überdenkt man jedoch die Fakten, welche man in und um „Second Life“ auftreibt, wächst Misstrauen gegenüber Denjenigen, die ein ungetrübtes Loblied auf die Zukunftsaussichten von „Second Life“ trällern und angeben, dass sich „Second Life“ großer Beliebtheit erfreut.
Denkt man an Teamarbeit, so verbindet man meistens ein bestimmtes Szenario damit: Eine Gruppe trifft sich irgendwo, um eine Aufgabe gemeinsam zu bearbeiten, meist in Verbindung mit mindestens einer Tasse Kaffee. Das Problem, was wohl jeder dabei kennt: Wie bekommt man alle Mitarbeiter unter einen Hut? Wann trifft man sich? Welcher Ort ist für jeden gut erreichbar? Der eine kann am Montag nicht, ein anderer am Dienstag, wieder dem nächsten passt der Donnerstag überhaupt nicht. So kann man schnell in der nächsten Woche landen, wo das Ganze wieder von vorne beginnt. Je größer die Gruppe wird, desto schwieriger wird die Terminabsprache.
Man sieht ihnen an, dass sie tagtäglich ihre Zeit zumeist vor dem Computer verbringen: Tief liegende Augen, eine blasse Gesichtfarbe, unreine Haut, nicht selten zitternde Hände. Schätzungen zufolge sind etwa eine Million Deutsche internetsüchtig. Tendenz steigend. „Wie wandelnde Leichen“ titelte jüngst der Spiegel. Noch gibt es keine einheitliche Definition von Internetsucht, Experten sind sich jedoch über wesentliche Merkmale einig: Neben oben genannten äußeren Warnzeichen, verlieren Internetsüchtige zumeist jeglichen sozialen Kontakt zu ihren Mitmenschen, sie isolieren sich und verlieren mit der Zeit die Fähigkeit, neue Kontakte wiederaufzubauen. Sie bewegen sich unsicher im täglichen Leben. Ihre Pflichtwahrnehmung ist völlig verrückt; regelmäßig zur Arbeit zu erscheinen, Amtsbesuche, das regelmäßige Zahlen von Rechnungen etc. tritt in Hintergrund angesichts des Bedürfnisses, ständig online sein zu müssen. Weiter können schwerwiegende physische Beschwerden auftreten: Verspannungen durch falsches Sitzen bis hin zu Genickschädigungen oder Sehschäden durch andauerndes Starren auf den Bildschirm sind nur zwei davon.
Bei meiner Recherche über die Internetseite MySpace hat mich Herr Albers auf einen interessanten Artikel von Danah Boyd „Identity Production in a Networked Culture: Why Youth Heart MySpace“ vom Februar 2006 hingewiesen, der es meiner Meinung nach Wert ist, über ihn in diesem Blog zu berichten.
Seit dem Start von MySpace im Jahre 2003 bis zum Februar 2006 hat die Internetgemeinschaft MySpace einen rasanten Mitgliederzuwachs verzeichnet, über 50 Millionen Profile wurden auf der englischsprachigen Seite eingerichtet, die meisten User sind dabei zwischen 14 und 24 Jahren alt. Kurz einige Worte über die Plattform MySpace (www.myspace.com). Die Seite ist ein öffentliches soziales Netzwerk wie z.B. Friendster, Facebook oder das deutsche StudiVZ. Im Kern beinhaltet sie die Profile der Nutzer, welche über Links mit anderen Nutzern (deren Freunden) verbunden sind. Diese Profile sind personalisiert mit Fotos, Musik, Angaben (Interessen, Einstellungen, etc.) und drücken somit die Persönlichkeit des Internetnutzers aus. Die Kommunikation läuft über Kommentare die man auf anderen Seiten hinterlässt und über Nachrichten die geschrieben werden (Instant Messaging, kurz IM). Viel Zeit verwenden die Jugendlichen aber um ihr eigenes Profil zu modifizieren, daran zu feilen und immer individueller zu gestalten. Danah Boyd stellt eine interessante These auf, warum gerade MySpace (übertragbar auch auf anderen Gemeinschaften wie Facebook oder StudiVZ) so beliebt bei Heranwachsenden ist und warum es entscheidend für die Identitätsentwicklung ist.
Immer wieder hört man davon, dass sich Beziehungen heutzutage häufig auch über das Internet bilden, doch was genau hat man sich unter dieser Form der Virtuellen Vergemeinschaftung vorzustellen? Und wo liegen die Vorteile und was sind die Risiken?
Befürworter der virtuellen Gemeinschaft sprechen davon, dass im Internet etwas möglich wird, was in unserer hektischen Realwelt verloren gegangen ist. Im Internet kann man die Nähe und Wärme finden, die man im echten Leben nur schwer erlangt. Und man kann viel einfacher Leute finden, welche die gleichen Interessen haben wie man selbst. Durch die zu Beginn sehr niedrige Hemmschwelle, da man sich ja nicht persönlich kennt und man sich nicht zwingend in der realen Welt treffen muss, kann man sehr viel mehr von sich selbst Preisgeben als man es sonst tun würde. Auf so eine Art und Weise kann Nähe schneller entstehen. Auch verbindet das Internet Gegenden die geografisch weit auseinander liegen, so kann man Leute kennen lernen, die man in seinem Umfeld niemals treffen würde.
Hallo zusammen,
im Rahmen unseres Gruppenthemas, wie Wissen im Internet produziert, verbreitet und kontrolliert wird, stiess ich gestern auf einen Beitrag der Onlineausgabe der „Zeit“. Ein spannender Artikel, der zum weiteren Nachdenken anregt, denn er zeigt Probleme auf, mit denen sich Wikis und allem vorran natürlich Wikipedia auseinandersetzen müssen. Ist das Wissen allgemein gültig oder wer entscheidet, was richtig und was falsch ist? Die im Artikel vorgestellte Conservapedia mag auf den ersten Blick sehr bedenklich erscheinen und wird es wohl niemals zu einem fundierten Nachschlagewerk schaffen. Viel spannender ist jedoch das zweite „Gegenprojekt“ zur Wikipedia, Citizendium will die fundiertere Quelle darstellen.
Die Idee Larry Sangers` sieht so gesehen eine „erlesene“ Auswahl von Autoren vor, Wissen soll intersubjektiv und damit unanfechtbar werden. Die Idee ist eigentlich spitze, würde sie sich durchsetzen, hätte man z.B. als Student verifiziertes Wissen, welches man auch als Quelle angeben darf, Wikipedia ist bis heute nicht zugelassen für Referate und Hausarbeiten.
Nachdem das Web 1.0 uns in einem Globalen Netz zu Konsumenten von schier unerschöpflichen Wissens- und Datenquellen machte vollzog sich ein Prozess, welcher die Menschen in immer schnelleren Abfolgen von klassischen Printmedien zu neuen elektronischen Medien führte. Die Zeiten in denen wichtige Ereignisse sich erst in den 20Uhr Nachrichten oder gar erst in den Zeitungen am nächsten Morgen verbreitete sind längst vorbei. So trug das Internet als solches zu einer sehr schnelllebigen Wissensgesellschaft bei. Eine Gesellschaft in der sich eine wichtige neue Nachricht beinahe schneller verbreitet als das sie geschehen kann. Ein immer breiterer Kreis informiert und kommuniziert via Internet.
Dass sich soziale Beziehungen in der realen und in der virtuellen Welt durchaus unterschiedlich gestalten, ist bekannt. Tritt man in der Realwelt in einem face to face-Kontakt mit seiner wirklichen, physischen Erscheinung auf, so lässt das Internet Raum und Möglichkeit in eine neue und vermeintlich bessere oder eine andere Identität zu schlüpfen. Dieser Unterschied kostete in Missouri, USA, einer 13jährigen das Leben. Erst ein Jahr später berichtete die regionale Tageszeitung von dem tragischen Vorfall. Die Leserschaft des Blattes zeigte sich entrüstet und tief betroffen, denn ohnmächtig scheint man negativen Machenschaften übers Internet ausgeliefert zu sein. Diskussionen entbrannten über die Notwendigkeit einer stärkeren Überwachung des Netzes und Möglichkeiten juristischer Ahnung.


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