Heute: Wir bilden uns eine Meinung. Über Manifeste.
Manifeste sind derzeit en vogue, deshalb lohnt sich ein kleiner Exkurs. Laut Wiktionary ist ein Manifest eine Grundsatzerklärung oder ein Programm, also eine öffentliche Erklärung über Absichten und Ziele. Im Kontext des digitalen Lebens könnte man jetzt Bezug nehmen auf das Cluetrain-Manifest, das Hackermanifest oder auf das Manifest der Digital Natives. Diese drei finde ich super. Lest die mal.
Jetzt kommen zwei, mit denen ich irgendwie nicht so richtig was anfangen kann. Warum erkläre ich am Ende. Jeder hat bestimmt schon vom Slow Media Manifest gehört; in eine ähnliche Kerbe haut ein amerikanisches Pamphlet, das Sabbath Manifesto. Bei beiden geht es um die Endeckung der Langsamkeit, allerdings aus verschiedener Perspektive. Das Slow Media Manifest kümmert sich um die bewusste Produktion und Konsumption von Medieninhalten (Vgl. Slow Food [da wird übrigens auch von der "slowen Lebensart" geredet - gnihihihi, was für ein Ausdruck!]); das Sabbath Manifesto propagiert Entschleunigung durch “Unplugging”, dem Stecker-Ziehen zwischen Freitagsonnenuntergang bis Samstagsonnenuntergang.
Eins kann ich mir nicht verkneifen: Punkt eins des Slow Media Manifests benennt Nachhaltigkeit. Ich habe habe gestern erst gelernt, dass Nerds ohnehin die Welt zerstören. Too much information for me in ganz wenigen Tagen. Arrgh. Wie passt das nur alles zusammen?
(Comic via @Magnus55)
Das Slow Media Manifest umfasst 15 Punkte und es stehen jede Menge Termini drin, die ich gerne mag. Es geht um Sozialität, Respekt und Vertrauen. Das Sabbath Manifesto haut 10 Thesen raus, die ich samt und sonders bescheuert finde. Insbesondere “Light Candles” und “Eat Bread”. Das größte Problem am Sabbath Manifest ist, dass es so ernst daher kommt. Und ich vermute, dass es ernst gemeint IST. Urheber ist die Gruppe Reboot, ein Non-Profit Verein, der Kultur, Traditionen und Rituale des Jüdischen Lebens wiederbeleben will. Schön und gut, können se ja, aber ICH MACH DOCH NICHT DAS INTERNET AUS!
Fazit: Ein Manifest ergibt für mich nur Sinn, wenn darin etwas grundsätzlich Neues oder Besonderes konstatiert wird, dem man einen Platz in seinem Leben geben will. Sowohl die Produktion als auch der achtsame Konsum von Content, wie im Slow Media Manifest hervorgehoben, gehören für meine Begriffe zum Handeln und Wandeln im Social Web dazu, sonst würde nämlich nur Spam dabei rauskommen. Es ist gut, dass Benedikt Köhler, Jörg Bluhmtritt und Sabria David sich Gedanken dazu gemacht haben und alle Gedanken sind richtig, aber hätte man das Ganze Manifest nennen müssen? Approach hätte es doch auch getan.
Zum Sabbath Manifesto: Rechner, Handy und Fernseher “aus” brauch ich zwischendurch für meine Kopfhygiene. Deshalb hab ich einen Hund und geh spazieren. Ein Smartfone kann ich mir nicht leisten, also gibts im Wald kein Internet. Deshalb find ich, dass es völliger Quatsch is, die Kisten an einem bestimmten Tag prinzipiell auszumachen. Als Kunstprojekt – ne coole Idee // Als Start in die Mitgliedschaft bei der Unplugged-Sekte – gruselig. Aber bei Amis weiß man ja nie, wie ernst die sowas nehmen, deshalb tippe ich auf evolvierende Sekte (siehe dazu auch noch mal das Bekennervideo). Wie widerlich glücklich alle sind, dass sie es geschafft haben, sich auszustöpseln. Ganz seltsam. Echt.
Tags: Bluhmtritt, Köhler, National Day of Unplugging, Reboot, Sabbath Manifesto, Sabria David, Slow Food, Slow Media Manifest






März 31st, 2010 at 08:54
[...] der Internet Gesellschaft beschäftigt man sich mit Manifesten und stellt fest, dass Manifeste wohl erst dann richtig ernst zu nehmen sind, wenn [...]
März 31st, 2010 at 10:53
Manifest klingt halt besser als Versuch. Damit lockt man doch keinen mehr hinterm Ofen hervor. Eins ist ihnen aber allen gemeinsam, ob Umwelt-, Zeit- oder sonstwas- Manifest. Sie wollen uns alle beeinflussen und uns ihre Regeln schmackhaft machen. Da sollte man vorher nochmal drüber nachdenken, bevor man da mitmacht.
April 1st, 2010 at 01:37
Jap. Haste recht.