Bloggerview #6 – Der Politblog zoon politikon von Ali Arbia

Mrz 29 2010 Published by under Bloggerview

Der Schweizer Politikwissenschaftler Ali Arbia, Jahrgang 1977, ist ein sehr sympathischer Typ. Er mag Bücher, Monty Python und Single Malt Whiskey und kann Volksmusik nicht leiden. In seinem Blog zoon politikon geht es um Weltpolitik, Wissenschaft und Topthemen aus den internationalen Medien. Ich mag besonders gern, dass er zeitnah aktuelle Ereignisse kommentiert und zwischendurch auch mal die ein oder andere Buchrezension raushaut.

Hallo Ali! Was machst Du beruflich und unter welchem Nickname agierst Du online?

Momentan bin ich in den letzten Zügen meiner Dissertation. Studiert habe ich Internationale Beziehungen in Genf. Ich arbeite zu sogenannten präferentiellen Handelsabkommen im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO. Ich kommentiere und blogge in der Regel unter meinem echten und einzigen Vornamen, drei schlichte, kleingeschriebene Buchstaben: ali. 

Wie heißt Dein Blog und seit wann existiert es?
Zoon politikon bei den scienceblogs.de betreibe ich seit Februar 2008.

Mit welchen Themen beschäftigst Du Dich in Deinem Blog?
Internationale Beziehungen (als akademisches Unterfangen), Politikwissenschaften, Politik im Allgemeinen, (Sozial-) Wissenschaften. Das ganze würze ich ab und zu mit etwas Religionskritik und Versuchen Pseudowissenschaft zu entlarven.

Was war die Inititialzündung für Dich um mit dem Schreiben eines Blogs zu beginnen bzw. überhaupt virtuell aktiv zu werden?
„Einstiegsdroge“ war unserer US Schwesterseite scienceblogs.com. Ich wurde schnell ein begeisterter Leser von Wissenschaftsblogs. Mir fiel auf wie generell die Sozialwissenschaften eher wenig vertreten waren und die Politikwissenschaften respektive Internationalen Beziehungen im Speziellen noch weniger. Da im deutschsprachigen Raum die Blogosphäre der US Entwicklung noch hinterherhinkt, motivierte mich dies ein eigenes Blog zu starten.

Aus welchen Gründen hat sich das Bloggen bei Dir zu einer regelmäßigen Tätigkeit entwickelt?
Der Austausch von Ideen in den Kommentaren und via andere Blogs kann sehr befruchtend sein. Vor allem das interdisziplinäre daran gefällt mir. Mit der Zeit hat sich das Publikum vergrössert und das steigerte diese Diversität zustäzlich.

Erster Kontakt mit dem Internet?
Das dürft ca. 1994 oder 1995 gewesen sein an einer Infoveranstaltung einer Schweizer Uni. Der Vortragende hat eine Internetdemonstration auf dem Projektor gezeigt (war absolut high-tech damals) und die Seite von Socks (Clintons Katze) auf der Website des Weissen Hauseses gezeigt. Vermutlich war sonst nichts los im Internet. [Diese Katze ist mittlerweile tot. Da wohnt jetzt ein hypoallergener Hund. Bei  68 Millionen Google Hits für "First Dog" bekommt der Terminus Datenmüll einen ganz neuen Beigeschmack und ich muss mir einfach mal kurz die Frage stellen, ob im Netz 2010 qualitativ mehr los ist als vor 15 Jahren.]

Wo bist Du im Social Web unterwegs?
Eigentlich vor allem bei Twitter (hier!). Ich habe einen Facebook Account benutze den aber eher als auto-aktualisierendes Addressbuch. Ansonsten lese ich vor allem Wissenschafts- und Polit-Blogs.

Welche Bedeutung hat das Internet für Dich im Alltag und im Studium?
Das Internet ist der Ort, wo ich recherchiere, Ideen finde, kommuniziere, mich informiere und prokrastiniere. Ich glaube nur Urlaub kann man dort nicht machen.

Welchen Einfluss habt die Nutzung von Internet auf Deine persönliche Entwicklung? Nimmst Du Virtualität als Teil Deiner sozialen Realität und der Wirklichkeit wahr?
Ich lese zu einem breiteren Themenbereich als dass ich ohne das Internet würde. Es ist zudem der Ort wo fast alle Information zu holen ist. Die Kunst ist das Finden und Einschätzen. Ich habe diese Zweiteilung zwischen ‚Virtuell’ und ‚Real’ nie ganz verstanden. Wenn ich einen Brief schreibe stellt auch kaum jemand die ‚Realität’ dieser Kommunikation in Frage. Was soll da an E-mails und Tweets so anders sein? Die Kommunikation ist vielleicht schneller und unmittelbarer, das ändert aber nicht ihre Realität. Dies gilt insbesondere wenn Menschen eine konsistente Internet-Identität haben (sei es nun ein Pseudonym oder nicht). Über eine Brieffreundin oder einen Brieffreund wusste man auch kaum mehr. Das Netz kann aber nicht den direkten Kontakt ersetzen. Das gilt aber genauso für das Telefon und den Briefverkehr. Ich halte also die Unterscheidung zwischen ‚virtuell’ und ‚real’ für sehr künstlich.

Wenn ich bei aktuellen Themen mitreden will, wo gucke ich da am besten online nach? Wo liest Du gerne mit?
Ich finde meine tägliche Dosis Nachrichten bei der New York Times, dem BBC World Service und der Neuen Zürcher Zeitung. Blogs gibt es natürlich viele die lesenswert sind. Unter den Wissenschaftsblog gehören zu meiner tägliche Lektüre (abgesehen von meinen Kollegen bei scienceblogs.de natürlich) vor allem Passport von Foreign Policy und The Monkey Cage. Bei den Naturwissenschaftlern bin ich Pharyngula treu geblieben. Es gibt aber auch viele (fachfremde) deutschsprachige Wissenschaftsblogs die ich regelmässig lese.

Ein letztes Wort?
Ich freue mich natürlich auf Besuch bei mir im Blog.

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