“Gesprächskultur 2.0″

Mrz 26 2010 Published by under Wissenschaftliche Arbeiten

Am Mittwoch ist in Berlin die zweite Studie zur Gesprächskultur in Deutschland veröffentlicht worden. Auftraggeber sind Jacobs Krönung und Bild der Frau. (JETZT einmal kurz lachen. Jaja, doch, es stimmt, ich trinke drei Liter Kaffee am Tag und schnacke mit meinen Freundinnen. Und nun Schluß, es wird seriös). Durchgeführt wird die Studie vom Institut für Demoskopie Allensbach unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Renate Köcher. Der Berichtsband und eine Zusammenfassung des Allensbacher Instituts können hier heruntergeladen werden.

Die Studie ist bevölkerungsrepräsentativ, bildet also ab, welche Altersgruppen das Internet über welche Kanäle zur Kommunikation nutzen. Derzeit haben rund zwei Drittel aller Deutschen Zugang zum Netz.  42 % der Onliner nutzen das Internet täglich. Die Hälfte der User, die die Internetnutzung habitualisiert haben, sind am Tag eine Stunde oder länger online. Schade finde ich persönlich, dass nur die Nutzung institutionalisierter Kommunikationskanäle (siehe Grafik) untersucht worden ist und somit die “freie Kommunikation” beispielsweise in der Blogossphäre nicht gewichtet werden kann.

Der Anteil der User, der dort aktiv ist, ist gemessen am Anteil der Gesamtbevölkerung zwar gering, entstammt jedoch mehrheitlich der Altersgruppe über 20. Da laut einer Studie von 2007 “drei Viertel der 14- bis 19-Jährigen mindestens die Hälfte ihrer Internet-Zeit mit Kommunikation verbringen (75 Prozent)” und “in höheren Altersgruppen, auch schon bei den 20- bis 29-Jährigen” diese Anteile kleiner waren, wird die These formuliert, dass die mit dem Internet verknüpften veränderten Kommunikationsgewohnheiten der Millenials möglicherweise ein Jugendphänomen seien. Es müsse abzuwarten bleiben, so Renate Köcher, ob eine veränderte Kommunikationskultur auf dem Vormarsch sei oder diese Generation dem mit zunehmendem Alter wieder entwachsen würde. Eine andere Perspektive auf die Tatsache, dass die junge Bevölkerung die untersuchten Kommunikationskanäle extensiv nutzt, bei den über 20 Jährigen jedoch ein deutlicher Abfall der Häufigkeit der Kommunikation zu beobachten ist, wäre meines Erachtens eine These zur Verschiebung der Nutzung: Ein Teil wird das Netz, verbunden mit dem Eintritt in die Arbeitswelt und bspw. Familiengründung, sicherlich weniger zur Onlinekommunikation einsetzen – ein anderer Teil dürfte sich mit wachsender Kenntnis der Kommunikationsinfrastruktur des Web von institutionalisierten Kommunikationskanälen abwenden und personalisierter, also eher informell online agieren. Dies dürfte allerdings aufgrund der schwierig umzusetzenden Skalierung quantitativ nicht leicht zu erfassen sein.

Ein weiteres interessantes Ergebnis der Studie ist, dass online mehrheitlich mit Bekannten und Freunden kommuniziert wird und die Kontaktdichte enorm zugenommen hat: “Das Internet [...] verstärkt damit die subjektive Abhängigkeit von kontinuierlichen Kontakten zu anderen.” Ein Viertel aller Befragten hält Freundschaft heute sogar für wichtiger als früher. Zwischenmenschlichkeit und Gespräche erfahren eine Aufwertung, wobei dass Bewusstsein für die Unterschiede zwischen persönlichen und virtuellen Kontakten erhalten bleibt. “Persönlichen Gesprächen werden dabei ganz andere Funktionen und Gratifikationen zugeschrieben als der virtuellen Kommunikation – auch von der jungen Generation.”

Keine neue Erkenntnis: Niemand nutzt Twitter.

Stilblüte am Rande: Dass unter 25-jährige via LinkedIn, einem Businessportal für Fach- und Führungskräfte, kommunizieren, halte ich für ein Gerücht.

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