Andy Strauß, Autor des Buches “Establishmensch” und Gewinner diverser Poetry Slams, hat uns Rede und Antwort gestanden. Andy ist 1980 +/- drei Jahre geboren worden. Schreiben konnte er schon vor der ersten Klasse. Zu Schulzeiten hat er mit seinen Aufsätzen das Lehrpersonal erschüttert oder verunsichert. Oder beides.
Moin! Fein, dass du als vielbeschäftigter Schriftsteller Zeit für uns findest! Wer bist Du und unter welchem Aliasnamen findet man Dich im Netz? Stell Dich doch kurz vor.
Also in „echt“ heiße ich Andy Strauß. Ganz am Anfang agierte ich im Internet als Netpunk, weil ich in der Stadt, aus der ich ursprünglich komme, der erste Punker mit Internet war. Mein youtube-channel und meine myspace-Seite haben immer noch Netpunk irgendwo im Namen. Heute mach ich den meisten Kram aber unter meinem Namen oder unter dem Namen „Establishmensch“.
Was machst Du um Dir Deine Brötchen zu verdienen?
Mein Beruf lässt sich am besten mit dem Begriff Freier Künstler umschreiben, denn ich verdiene mein Geld damit, dass ich Bücher schreibe, Leuten Dinge vorlese, Unsinn auf Bühnen mache, Theater spiele und Musikkrams bastel.
Wie heißt Dein Blog und seit wann existiert es?
Mein Blog ist ursprünglich einfach eine Homepage, die jetzt mittlerweile aussieht, wie ein Blog. Es heisst www.establishmensch.de und lebt seit etwa Mitte 2007, als Angeli Schimmack, eine Bekannte von mir, anbot, mir eine Homepage zu basteln, damit ich meinen shit presenten kann.
Mit welchen Themen beschäftigst Du Dich da?
Mein Blog ist unglaublich egozentrisch und es stehen dort hauptsächlich Dinge, die ich gemacht habe bzw. die ich machen werde. Ab und zu spreche ich politische Dinge an, ab und zu stelle ich Dinge vor, die ich Top finde. Ja. Sowas.
Was war die Inititialzündung für Dich um mit dem Schreiben eines Blog zu beginnen bzw. überhaupt virtuell aktiv zu werden?
Naja. Wie oben gesagt, sagte Angeli, dass sie mir wohl eine Homepage machen würde. Ich fand das ohnehin praktisch, weil ich irgendwo meine Auftrittstermine hintüddeln wollte. Mittlerweile ist es tatsächlich so, dass ich, wenn ich wissen will, ob ich an Tag X Zeit habe, erst auf meine Homepage gucke und dann sagen kann: Jo oder eben Ney.
Aus welchen Gründen hat sich das Bloggen bei Dir zu einer regelmäßigen Tätigkeit entwickelt?
Wahrscheinlich, weil ich ohnehin viel schreibe. Da kann man dann auch einfach mal für den Blog schreiben, wenn man darauf wartet, dass der fette Däne von der Pizzabude zurück ist. Der fette Däne ist an sich ein wirklich netter Typ, aber er läuft sehr langsam, wir wechseln uns ab mit dem Pizzaholen.
Erster Kontakt mit dem Internet?
Oh, daran kann ich mich noch ganz genau erinnern. Ich wohnte damals mit meinen Eltern direkt gegenüber vom Fernmeldeamt. Irgendwann haben die eine neue Tiefgarage gebaut, was für die Anwohner sehr viel Lärm und Mobilitätseinschränkungen mit sich brachte. Als eine Art „Entschuldigung“ veranstaltete die Telekom nach den Bauarbeiten eine Art Straßenfest für alle Anwohner, wo es umsonst Florida Boy-Brause zu trinken gab und Pommes und diese ganze Kinderbespaßung. Ich fand, obwohl ich vielleicht schon etwas zu groß dafür war, Gefallen an der Hüpfburg, schlug mir dort aber einen Zahn halb aus. Ich war also irgendwie zu angeschlagen um rumzuturnen und stellte mich dann an einen dieser Computer, den die Telekomleute dort aufgebaut hatten. Dort lief ein Chatprogramm und ich chattete mit Wildfremden. Ich glaube, damals kannte niemand auf dem Fest das Internet und das, was in dem Chat zu mir gesagt wurde, war ganz sicher nicht Jugendfrei.
Wo bist Du im Web unterwegs?
Ich tüddel bei youtube rum, wo ich 500 Abonnenten und etwa 120 Videos habe. Da mache ich Serien. Die eine Serie ist „Wer ist Andy Strauß?“. Ich habe sie gestartet als immer gesagt wurde, dass Arbeitgeber ihre Angestellten googeln. Naja, als ich mich dann selbst googelte, fand ich Dinge, die ich nicht unbedinngt alle Leute wissen lassen wollte. Dann startete ich diese Serie. Etwa 80 Leute erzählen jeweils in einem eigenem Video Dinge über mich, hauptsächlich Lügen, zum Teil sehr offensichtliche. (Helge Schneider und Denyo haben auch schon Dinge erzählt!) Ich lüge generell viel im Internet, damit irgendwann nicht mehr zwischen Realität und Cyber unterschieden werden kann. Dann gibt es eine Serie mit derzeit neun Teilen, in denen ich Denkmäler beleidige. Dazu habe ich ein künstlerisches Manifest geschrieben, welches ich aber erst post mortem veröffentlicht wissen möchte. Ansonsten noch myspace, facebook, studivz. Halt diese überflüssigen Kommunikationsdinge, die dir deine Freizeit versauen.
Welche Bedeutung hat das Internet für Dich im Alltag und im Beruf?
Im Beruf ist es wichtig, weil ich meine Terminkalender öffentlich habe. Wenn mich jemand buchen will und ich sitze im Zug, dann kann ich der Person sagen, sie soll auf meiner Homepage unter Termine gucken und dann können wir weiterreden. Zudem ist das Netz ständige Inspiration zu eigener Kunst. Im Alltag allerdings ist das Internet ziemlich lästig, man verspürt irgendwann so eine Art „Zwang“, kommunizieren zu müssen, mails zu checken etc. Jeder Tag ohne Internet ist Rekreation.
Welchen Einfluss hat die Nutzung des Internet auf Deine persönliche Entwicklung? Nimmst Du Virtualität als Teil Deiner sozialen Realität und der Wirklichkeit wahr?
Hehe, ja. Also. Ich habe über das Internet viele Fans gefunden, die besonders auf meine Texte stehen, in denen ich das Internet kritisiere, lol. Für meine persönliche Entwicklung… hmmm… naja, ich bin auf jeden Fall etwas dicker geworden seit ich so viel auf Stühlen sitze.
Welche Blogs oder Sites würdest Du dem geneigten Leser ans Herz legen?
Ich glaube, ich schaue mir gerne www.ehrensenf.de an oder www.isnichwahr.de um Zeit totzuschlagen.
Hier findet man Andy im Netz:





