20 Jahre Internet? Nö.

Feb 19 2010 Published by under Allgemein, Video

Gerade hat der Newsletter von Elitepartner mich darauf aufmerksam gemacht, dass das Internet am kommenden Sonntag 20 Jahre alt wird. Das CERN hat diesen Geburtstag allerdings schon im letzten Jahr im März gefeiert. Soso, dachte ich und habe noch einmal die Anfänge des “Internet” recherchiert. Wem dieser Artikel zu textlastig ist, dem sei wärmstens die Doku “40Jahre Internet – 20 Jahre WWW” in der ZDF-Mediathek empfohlen. Thies hat Euch dazu in einem älteren Beitrag auch noch Interviews mit Lawrence Lessig (Gründer der Creative-Commons-Initiative) und Leonard Kleinrock (Mitentwickler des ARPANET) herausgesucht.

Die Ursprünge des Internet, also der zu Kommunikationszwecken verbundenen Rechner, wurzeln in der militärischen Aufrüstung während des Kalten Krieges in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Damals wird das Arpanet (Advanced Research Projects Agency Network) von der US-Amerikanischen Luftwaffe in Auftrag gegeben und vom MIT (Massachusetts Institute of Technology) entwickelt. Das Arpanet ist ein dezentrales Netzwerk, dass die für das Verteidigungsministerium forschenden amerikanischen Universitäten miteinander verbinden sollte und 1969 umgesetzt wird. Die Verbindungen werden damals über Telefonleitungen hergestellt. Nach drei Jahren sind 60 Computer in das Netzwerk eingebunden, nach zehn Jahren 200. 1989 gibt das Pentagon das Internet frei – in diesem Jahr sind 100 000 Rechner registriert. Das militärische Arpanet wird 1990 abgeschaltet, die Ära des zivilen Internet beginnt. Mit der Freigabe setzt die Kommerzialisierung des Internet ein. Die National Science Foundation (NSF), eine unabhängige Einrichtung der Regierung der USA, fördert fortan die Entstehung eines kommerziellen Marktes für Internet Service Provider (ISP). Im Jahre 1993, mit der Einführung des graphischen Webbrowsers Mosaic, gibt es weltweit bereits 500 Server. Ein (Web)Browser ist ein Programm mit dem sich elektronisch verarbeiteter medialer Text anzeigen lässt. Das Wort Browser ist etymologisch zurückzuführen auf das englische Verb ‚to browse’, das sowohl mit ‚äsen’ als auch mit ‚stöbern’ oder ‚schmökern’ zu übersetzen ist. Das Internet kann, bildlich gesprochen, mittels eines Browsers abgegrast werden; es wird ‚gesurft’. Die Erfindung des Browsers 1990 ist die bedeutsamste Neuerung in den Anfangstagen der Computerkommunikation, denn ohne Browser gäbe es das Internet, so wie es heute existiert, nicht.

Lange vor der Freigabe des militärischen Internet, des Arpanet, haben im Jahr 1979 Tom Truscott, Steve Bellovin und Jim Ellis an der Universität von North Carolina in den USA zwei Unix Rechner zusammengeschlossen. Ziel war das Anbieten einer freien Alternative zum Arpanet. Zwar gelang es im Laufe der Zeit einige Tausend Rechner zu vernetzen, aber die Anschlussfähigkeit war aufgrund des Datenübertragungsprotokolls (UUCP) daran gebunden, dass jeder zu integrierende Rechner ebenfalls über das Betriebssystem Unix lief. Im aus diesem Rechnerverbund entstehenden Netzwerk, dem Usenet, wird über Email kommuniziert.

Der Zugang zum Usenet war durch die vorausgesetzte Benutzung des Datenprotokolls UUCP und die Verteilung der Datenströme auf einige wenige Server begrenzt. Die Administratoren des Usenet jener Zeit hatten nahezu unbegrenzte Macht über die Zulassung neuer Newsgroups und die Inhalte der bestehenden – sie konnten das gesamte Usenet kontrollieren. Dies änderte sich erst mit der Einführung des Datenprotokolls NNTP (Network News Transport Protocol) Mitte der Achtziger Jahre. Über das NNTP konnten Daten über TCP/IP31 verschickt werden.
Der Datentransfer musste nicht mehr zwangsweise über UUCP stattfinden, sondern konnte damit über das ‚Internet’ (den gesamten Rechnerverbund, der das Usenet bildet) selbst erfolgen. Im Folgenden wurde nahezu der komplette Datenverkehr auf NNTP umgestellt – NNTP wird zum Protokoll, auf dem die gesamte Kommunikation im Usenet beruht. Dadurch, dass durch die Dezentralisierung jeder NNTP nutzende User über den eigenen Newsreader Newsgroups gründen konnte, stieg die Zahl der Newsgroups nach Einführung von NNTP insgesamt exponentiell an; die Machtposition der regulierenden Superadministratoren war weg gebrochen.
Das erste Programm, das das einfache Navigieren durch die zunehmende Masse von Dokumenten im Usenet ermöglichte, das WorldWideWeb (W3), wurde 1989von Tim Berners-Lee am CERN (Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire) bei Genf entwickelt. Im März 1989 hatte Berners-Lee am CERN mit seiner Arbeit “Information Management: a Proposal” den Grundstein dafür gelegt. Das W3 war der erste Webbrowser; also das erste Programm, das unidirektionale Verlinkungen zuließ und nicht zwingend bidirektionale benötigte, also Hypertext erst ermöglichte. W3 sollte ursprünglich dem Austausch zwischen Wissenschaftlern bzw. genauer: der Verflechtung wissenschaftlicher Dokumente dienen. Als Berners-Lee den W3 programmierte, ging mit der Erfindung des
Browsers auch die von Hypertext und die des HyperText Transfer Protocols (HTTP) einher. Genau wie UUCP und NNTP werden mit HTTP Daten über ein Computernetzwerk übertragen. In der ersten Generation konnte W3 ausschließlich Text anzeigen, da es für das textbasierte Betriebssystem Unix programmiert worden war. Am CERN werden einige Rechner auf Basis des HTTP zusammengeschlossen, um W3 überhaupt benutzen zu können – dies sind die ersten Rechner, die das Hypertextsystem World Wide Web bilden, das heutige Internet. So wurde HTTP das
Protokoll, auf dessen Ursprüngen auch heute noch die Kommunikation im World Wide Web basiert.

Das Internet wird also nicht am kommenden Sonntag 20 Jahre alt, sondern ist es  im März letzten Jahres schon geworden.

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