Bloggerview #2: Malte Müller von electricgecko.de
Malte Müller (Jahrgang 1982) lebt und arbeitet in Hamburg und ist die treibende Kraft hinter dem Art & Design-Blog electricgecko.de.
Hej, danke dass Du Dir Zeit für uns nimmst! Wie heißt Du und unter welchem Pseudonym agierst Du online? Ich bin Malte, guten Tag. Mein Nom de Guerre im Web ist electricgecko, nach meiner persönlichen Website.
Wie heißt die Seite und seit wann existiert sie? Mein Blog heißt wie seine Adresse, electricgecko.de. Den gibt es seit 2004, in wechselnden Formaten und mit verschiedenen inhaltlichen Konzepten. Urspünglich war die Website gleichzeitig mein Portfolio und hat sich inhaltlich zwischen persönlichem Zeug, Gestaltung und Musik bewegt. Inzwischen habe ich weniger Zeit zum Bloggen und habe die persönlichen Posts reduziert. Design, Fotografie und Musik sind die wichtigsten Themen. Populäre Kultur .
Was war die Inititialzündung für Dich um mit dem Schreiben eines Blogs zu beginnen bzw. überhaupt virtuell aktiv zu werden? Für mich war das relativ selbstverständlich, da ich mehr oder weniger seit meinem ersten Kontakt mit dem Web verstehen wollte, wie das funktioniert.
Wann war das? 1995, in einem Uni-Institut, das bereits eine Standleitung hatte. Ich konnte zu dem Zeitpunkt einige einfache Programmiersprachen und wollte sehen, wie das im Web läuft. Als ich 1996 mein erstes 14,4-Modem bekommen habe, war ich sehr von der Verbindungsgeschwindigkeit enttäuscht. Als ich meinen eigenen Zugang hatte, habe ich mit dem Netscape Composer meine erste Website zusammengebaut. Insofern habe ich das Web eigentlich direkt als Publikationskanal, nie als passives Medium verstanden. Mit dem Bloggen habe ich angefangen, weil mir die Idee gefallen hat, mich regelmäßig und aktiv mit den Dingen auseinanderzusetzen, die mich betreffen. Und eben, um mich auszuprobieren und dazu zu lernen – was Gestaltung, Coden und Schreiben angeht. Inzwischen habe ich auch noch ein zweites Blog bei Tumblr – da liegt der Schwerpunkt weniger auf meinem Output, sondern mehr auf inspirierenden, spannenden Dingen, über die man im Web so stolpert.
Aus welchen Gründen hat sich das Bloggen bei Dir zu einer regelmäßigen Tätigkeit entwickelt? Vermutlich am meisten, weil ich bemerkt habe, dass es Feedback gibt. Dass sich andere Menschen das tatsächlich durchlesen und – in welcher Form auch immer – darauf reagieren. Ein Blogpost zwingt außerdem dazu, sich einmal intensiv mit einem bestimmten Thema auseinanderzusetzen und daraus einen konsistenten Text zu machen. Das hilft dann wieder dabei, diese Dinge zu verstehen.
Was machst Du beruflich? Ich bin Gestalter, Coder, Webdesigner, Werber. Vor und während meines Studiums habe ich als Webdesigner gefreelanced, inzwischen arbeite ich bei fischerAppelt-furore, der Werbeagentur der fischerAppelt-Gruppe und denke mir dort Websites und Applikationen aus. Studiert habe ich das allerdings nicht, sondern Kommunikationswissenschaft in Münster.
Welche Bedeutung hat das Internet für Dich im Alltag und im Beruf? Nun ja – mein Job hängt natürlich von Web ab. Aber es gibt für mich eigentlich keinen großen Unterschied zwischen beruflicher und privater Netznutzung – weil ich mich eben auch privat viel mit den Inhalten meines Jobs beschäftige. Social Networks und ähnliche Applikationen sind mir aber auch für den Umgang mit Freunden und Bekannten sehr wichtig. Es ist einfach leichter, sich zu organisieren und auch über große Distanzen einen intensiven Austausch aufrecht zu erhalten. Das ist eine gute Sache.
Welche Social Networking Tools nutzt Du so gut wie täglich? Wo bist Du im Web 2.0 unterwegs? Momentan sind das – neben meinem persönlichen Weblog – vor allem Facebook, Tumblr, Flickr, Twitter, Dopplr, ffffound!, Last.FM und Delicious. Die nutze ich stündlich und aktiv. Etwas seltener und meist eher passiv kommen dann noch Xing, Vimeo, Lookbook, Daytum und Virb dazu. Drumherum gibt es dann den üblichen Kram vom Wikipedia bis Qype – aber das ist immer sehr zweckgebunden und pragmatisch.
Welchen Einfluss haben die Existenz und die Nutzung des Internet auf Deine persönliche Entwicklung? Nimmst Du Virtualität als Teil Deiner sozialen Realität und der Wirklichkeit wahr?
Ich finde die Unterscheidung in Virtuell/Real ziemlich sinnlos. Was im Web geschieht, ist genau so sehr ein Teil sozialer Interaktion wie alles, was offline geschieht. Natürlich macht es einen Unterschied, ob ich jemanden persönlich treffe oder im Web mit ihr/ihm interagiere – aber letztlich ist der entscheidende Faktor unsere persönliche Beziehung. Das sind die gleichen Mechaniken. Ich wundere mich immer, wenn Menschen vom Web sprechen, als ginge es da um vollkommen abgefahrene Dinge. Das ist doch keine Quantenphysik. Mir persönlich hat es außerdem viel für meine Außeinandersetzung mit mir selbst gebracht. Weil es zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Identiät auffordert.
Welche sind Deine Lieblingsblogs und -Sites?
Das wechselt häufig und hat in den meisten Fällen mit Gestaltung zu tun. Momentan bin ich großer Fan von But does it float, Kitsune Noir und SpaceInvading. Ich bin außerdem konstant begeistert von den Dingen, die meine Freunde so machen. Zum Beispiel Lisas Texte, Sarahs Fotos und Kriesses Illustrationen.
Mehr von Malte, Referenzen und aktuelle Projekte findet ihr hier. Interessant ist zum Beispiel sein Beitrag zur re:publica09, die Social Media Konferenz, die im April in Berlin stattgefunden hat.
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