Bloggerview #1- “Reling sichern”
Das Internet ist ein endloser Raum, in dem man bei der Menge des Angebots an Information und Meinungen auch ganz schick mal den Überblick verlieren kann. Vor allem die Blogosphäre ist extrem unübersichtlich und es ist nicht leicht im Gewimmel der Berichte über Meerschweinchen und den letzten Mallorca-Urlaub am Ballermann die wirklich interessanten Blogs zu finden. Außer den paar Blogs, in denen Netzberühmtheiten ihre Meinung zum Besten geben, gibt es so einige wirklich lesenswerte, die sich still und heimlich in mein Herz geschlichen haben, deren Feeds ich abonniert habe und in denen ich nicht nur bei neuen Posts immer wieder gerne schmöker. Thies und ich gehen in den nächsten Wochen auf die Jagd nach gut gemachten Blogs und ihren Machern: in der Rubrik “Bloggerview” wollen wir die Menschen hinter den Blogs, die wir mögen, vorstellen.
Da diese Woche ja ohnehin schon im Zeichen der Musik steht – wir haben Ingo Knollmann von den Donots interviewt, momentan findet das Vainstream Rockfest hinter der Halle Münsterland statt – machen wir doch genau da weiter und fragen nach bei Dani alias yakyak (Jahrgang 1981) von “Reling sichern”. Dani ist die Seele des besten Konzertclubs Deutschlands, dem Gleis 22, und eine Heldin der Münsteraner Musikszene.
Hallo Dani! Danke, dass Du Zeit für uns hast. Wie heißt Dein Blog und seit wann existiert er?
„Reling Sichern“ -> http://www.stayindiedontbeahater.blogspot.com /// lange Adresse und interessanter Name, aber sie bedeuten mir beide sehr viel. In dieser Form existiert mein Blog erst seit Anfang 2009. Ich hatte vorher schon Blogs. Die Themen dort waren eine Mischung aus persönlichen Abenteuern, Plattenkritiken und sonstigen Stories. Nun geht es eigentlich nur noch um Musik bzw. Popkultur. Eine Story bei “Reling sichern” wurde zum Thema „The Mighty Boosh“ verfasst. Eine britische TV Serie, sonst ist es bisher ein reines Musikblog.
Mit welchen Themen beschäftigst Du Dich in Deinem Blog?
Musik. Tourankündigungen. Plattenrezensionen. Abfeiern eigener Lieblingskünstler, Lieblingslieder, Konzerte. Alles rund um Musik, die mich beschäftigt. Ich kann leider nicht ohne. Irgendwo muss ich meine Energie ja rausziehen. Ohne Musik geht leider gar nichts.
Was war die Inititialzündung für Dich um mit dem Schreiben eines Blogs zu beginnen bzw. überhaupt virtuell aktiv zu werden?
Virtuell aktiv zu werden bietet die Möglichkeit, sich schnell vielen mitzuteilen. Printpresse ist mir in der heutigen Zeit, vor allem seit Twitter, viel zu langsam. Eine Initialzündung gab es nicht. Ich blogge generell nur über Themen, die mir selbst wichtig sind (war ein Konzert besonders herausragend oder haut mich eine Platte um oder entdecke ich irgendeinen Lieblingssong wieder oder regt mich irgendwas besonders auf). Ich nenne das Herzblut. Ich bin eh ein sehr emotionaler Mensch und habe einfach oft ein großes Mitteilungsbedürfnis, wenn ich etwas entdeckt habe. Bloggen ist da einfacher, als alle anzurufen. Als Westfälin liegt mir das Telefonieren eh nicht so. Schreiben geht schneller und ist nicht so anstrengend (lacht). Die Menschen in Westfalen sind sonderbar wurde mir gesagt. Ich fühle mich hier aber wohl.
Aus welchen Gründen hat sich das Bloggen bei Dir zu einer regelmäßigen Tätigkeit entwickelt?
Vor allem Feedback. Durchweg positives Feedback. Ich habe nie riesig Wind um mein Blog gemacht. Einfach drauf los geschrieben. Ich habe auch Freunde eingeladen, ab und zu was beizutragen. Das geschieht aber leider eher weniger. (Viele sind irgendwo in dieser Phase Magisterarbeit schreiben/Abgabe/Prüfung/Abgeschlossen/Und was passiert jetzt mit mir…) Aber wenn, dann freut es mich umso mehr, wenn die spontan etwas beigetragen haben. Was mich selbst erschreckt, ist mein schlechtes Gewissen, wenn ich feststellen muss, dass ich seit einer Woche nichts mehr geschrieben habe. Habe viele halb fertige Einträge in der Entwurf Sektion. Versuche seit Monaten eine Konzertrezension über die Japaner Envy zu schreiben. Das Konzert hat mich mehr oder weniger sprachlos hinterlassen. Ist mir lange nicht passiert. Nun versuche ich seit Monaten die richtigen Worte zu finden. Aber ich glaube, das muss man entweder selbst erleben oder einfach nur im dunklen Raum sitzen und die Platte laut hören. Sehr laut. Wie du merkst, mir fehlen immer noch die Worte. Ich sehe durch meine ganzen Jobs viele Konzerte und habe auch vorher viele Konzerte gesehen. Auch schon sehr viel Mist. Aber Envy. Die spielen in einer anderen Liga. Es stimmte einfach alles an diesem Abend.
Erster Kontakt mit dem Internet?
Lange her. 56k Modem. Verzweiflung. Langsam. Ich glaube das war irgendwann vor 10 Jahren. Noch im alten Jahrtausend. Damals, als man sich noch via Festnetztelefon angerufen hat, weil niemand Handy/Internet etc. hatte.
Welche Social Networking Tools nutzt Du so gut wie täglich? Wo bist Du im Web 2.0 unterwegs?
Oha, viel zu viele. Myspace/Facebook/last.fm/Twitter/Blogger/Skype. Viel zu viel. ICQ und anderes habe ich inzwischen schon abgeschafft.
Welche Bedeutung hat das Internet für Dich im Alltag bzw. im Beruf/Studium?
Menschen nennen mich Dani 2.0 und freuen sich, wenn sich mich auch mal im RL (Real Life) treffen. Also außerhalb meiner Online- oder Gleis 22 Existenz. Die tatsächlich existiert! Es gibt Beweise. Und auch beruflich würde ohne Internet nichts passieren. Ich mache aktuell Musik Promotion. Ich habe mir ernsthaft noch keine Gedanken gemacht, wie das ohne Emails laufen könnte. Dann müsste ich mehr telefonieren als nötig. Das Thema hatten wir ja bereits oben.
Welchen Beruf übst Du denn aktuell aus? Was tust Du zum Broterwerb?
Beruf? Ich habe mal irgendwann nach dem Abitur einen Beruf erlernt. Allerdings weiß ich mit 100%iger Sicherheit, dass ich den niemals ernsthaft ausführen werde… Deswegen passt die Beschreibung Berufung für meine jetzige Lage etwas besser. Broterwerb. Ich organisiere Konzerte/Parties, lege auf … Eigentlich studiere ich noch Politikwissenschaft und Öffentliches Recht. Aber irgendwie fehlt mir grad die Zeit. Nennen wir es kreative Pause.
Welchen Einfluss haben die Existenz und die Nutzung des Internet auf Deine persönliche Entwicklung? Nimmst Du Virtualität als Teil Deiner sozialen Realität und der Wirklichkeit wahr?
Ja, ich genieße es, mit der Virtualität zu spielen und sie für mich einzusetzen. Das von allen so genannte Networking passiert am besten online und setzt sich dann außerhalb fort. Ich habe da gerade ein Grundgerüst, was ich in den nächsten Jahren auf die Beine stellen könnte. Ohne Internet? Undenkbar. Also, danke noch mal dafür. Wer auch immer das Internet in dieser jetzigen Form erfunden hat. Ich könnte mir die Antwort jetzt sicher selbst ergooglen oder wikipedia’N. Aber irgendwann muss auch mal gut sein. Gute Nacht.
Dani empfiehlt:
Menschen, die bitte niemals aufhören sollen zu bloggen:
- http://166mhz.blogspot.com
- http://silent-diva.blogspot.com/
- http://www.suedwiese.de/blog/
- http://electricgecko.de/
(Musik)Blogs, die ich liebe:
- http://iguessimfloating.blogspot.com/
- http://www.youaintnopicasso.com/
- http://www.daytrotter.com
- http://myoldkyhome.blogspot.com/
- http://music.minneapolisfuckingrocks.com/
- http://www.nerdcore.de/wp/
Meins:
Sonst auch gerne:
Tags: Blog, Bloggerview, Envy Japan, Gleis 22, Internet, musik, Reling sichern, Social Networking Tools, virtualität, Web 2.0






April 1st, 2010 at 08:08
[...] ist es mir immer noch zu schwer gefallen mir ein Bild zu machen. Auch der Terminus Geek-Rock, den Danimon von Reling Sichern mir versucht hat nahezubringen, hat mir bis dato nicht weitergeholfen. Eine typische Geek-Rock Band [...]