Iran: Internetbasierte Revolution
“If anyone is on twitter, set your location to Tehran and your time zone to GMT +3.30. Security forces are hunting for bloggers using location/timezone searches. The more people at this location, the more of a logjam it creates for forces trying to shut Iranians’ access to the internet down. Cut & paste & please pass it on.”
Diese Aufforderung erreichte mich gestern nachmittag via der Statusanzeige eines Bekannten über Facebook. Ob diese Maßnahme iranische Twitternde tatsächlich davor schützt, vom Netz genommen zu werden, ist bei bei nur 359 in Iran georteten Twitter-Account-Inhabern (Quelle: LaCroix) unwahrscheinlich. Nichtsdestotrotz sind Twitter, Blogs, Facebook und Youtube im Kontext des Wahlbetrugs in Iran nicht mehr länger nur Ausdrucksmittel einer im Westen als unpolitisch, desinteressiert und spaßfixiert angesehenen Generation, sondern zeigen ihr wahres Potential: Durch diese Kommunikationskanäle wird es der iranischen Opposition möglich, sich trotz der aktuellen Repressionen zumindest online frei zu äußern und so global Öffentlichkeit und vor allem Aufmerksamkeit herzustellen.
Die unabhängigen Korrespondenten der westlichen Presse können zum Teil ihre Unterkünfte nicht verlassen und sind so zur Untätigkeit gezwungen oder werden gleich ausgewiesen, wie gestern einem Vertreter der britischen BBC geschehen. Umso wertvoller werden die Augenzeugenberichte der Iraner, die Bilder, die sie liefern und ihre Schilderungen der Maßnamen des Regimes gegen friedlich agierende Demonstranten. Das dadurch vorliegende Graswurzeljournalismusmaterial wiederum wird von den Vertretern der traditionellen Medien genutzt, um die objektive Berichterstattung aus dem Kriesengebiet zu ergänzen und so ein vollständiges Bild der Lage in Iran zu zeichnen.
Selbst wenn die Authentizität der momentan online kursierenden Videos und Berichte nicht zu klären ist, so kann dennoch die Masse der Dokumente als Beweis für die zahlreichen Verstöße gegen Menschen- und Bürgerrechte in Iran gelten. Zu hoffen ist, dass das enorme Engagement der Opposition, die weltweite Mobilmachung von Exiliranern und deren Unterstützern, sowie die, durch die massenhafte digitale Verbreitung erzeugte, weltweite mediale Aufmerksamkeit, auch reale Effekte nach sich zieht und kein virtuelles Strrohfeuer ohne tatsächliche politische Folgen bleibt.
Mehr Information:
Brauck, Markus/ Müller Martin U./Schmundt, Hilmar: Die digitale Revolution. In: Der Spiegel, Nr.26/22.6.2009. S.116 – 118.
aljazeera.net: Iran´s internet revolution
handelsblatt.com: Iran – Die Revolution wird gezwitschert
Video bei Facebook: Tod einer jungen Iranerin
[Dazu auch: Spiegel online - Putz, Ulrike: Neda, Ikone des Protests]
Tags: Öffentlichkeit, Blog, blogger, diktatur, facebook, graswurzeljournalismus, iran, Medien, opposition, teheran, Twitter, wahlbetrug, youtube



























Juni 24th, 2009 at 11:17
[...] des Follower schnell und einfach zu interessanten Kommentaren oder Hinweisen im Netz. Auch die viel diskutierte Rolle von Twitter bei den Protesten zur Zeit im Iran ist für Soziologen, Politologen etc. hoch interessant (da [...]