Wie angekündigt möchten wir Studierenden und frisch gebackenen Absolventen die Möglichkeit geben in diesem Blog ihre mit viel Liebe und Mühe recherchierten Hausarbeiten, Essays und Abschlussarbeiten zu veröffentlichen. Angehenden Akademikern soll so eine Plattform geboten werden, die die Diskussion und den Austausch der eigenen Thesen ermöglicht. Die Arbeiten können so außerdem einer breiteren Öffentlichkeit als nur dem eigenen Institut zugänglich gemacht werden. Thies und ich sind fest davon überzeugt, dass sich unter Euren Arbeiten echte Perlen finden lassen! Und es wäre fast schon Frevel, diese wichtigen Beiträge zum wissenschaftlichen Diskurs einfach unter den Tisch fallen zu lassen. Thematisch und disziplinär möchten wir hierbei kaum Einschränkungen vornehmen: Interessant ist für diesen Blog alles, was sich im weitesten Sinne mit den Themen Internet oder Medien und Gesellschaft befasst, egal ob aus soziologischer, psychologischer, wirtschaftswissenschaftlicher, juristischer oder kommunikationswissenschaftlicher Perspektive (um schlaglichtartig nur einige mögliche spannende Fachbereiche aufzuzählen) . Sofern ihr also das ein oder andere Dokument in der Schublade habt, dass in diesen Kontext passt, würden wir uns sehr freuen, wenn ihr mit uns Kontakt aufnehmt.
Damit ein Anfang gemacht ist, stelle ich nun meine eigene Magisterarbeit mit dem Titel “Virtual Communities – Gruppe, Netzwerk oder Gemeinschaft?” aus dem Jahr 2008 zur Diskussion. Die Arbeit wurde im Fachbereich Soziologie geschrieben, von Prof. Dr. Matthias Grundmann und Prof. Dr. Rolf Eickelpasch betreut und von beiden Prüfern mit der Note 1,0 bewertet.
In meiner Magisterarbeit wird das Konzept der Virtual Community, das Howard Rheingold 1993 mit Erscheinen des Buches ‚The Virtual Community: Homesteading on the Electronic Frontier’ geprägt hat, vor dem Hintergrund technischer Entwicklungen und den daraus resultierenden Folgen erneut einer Analyse unterzogen. ‚Virtual Community’ ist als Konzept aus soziologischer Perspektive seit jeher problematisch wahrgenommen worden, da die soziologische Definition von ‚Community’, also Gemeinschaft, deutlich von dem differiert, was unter ‚Virtual Community’ im allgemeinen Sprachgebrauch verstanden wird. Es stellen sich in diesem Zusammenhang also folgende Fragen: Was ist eine ‚Virtual Community’ und was nicht? Wie sind Gruppen, Netzwerke und Gemeinschaften generell im Internet einzuordnen? Können im Internet Gemeinschaften im soziologischen Sinne entstehen oder gibt es nur Gruppen, Netzwerke, soziale Netzwerke und Imaginierte Gemeinschaften? Wie ist Virtual Community grundsätzlich zu definieren?
Das Konzept ‚Virtual Community’ erlangt Hand in Hand mit so genannter Social Software während der Durchsetzung typischer Web 2.0 Anwendungen eine neue Relevanz. Daher ist eine kurze Chronologie der Technikgeschichte und eine Klärung der mit den verschiedenen Phasen der Entwicklung des Internet jeweils einhergehenden technischen Fachbegriffe unverzichtbar, um im Gewimmel der Netze und Anwendungen und deren sozialen und gesellschaftlichen Folgen den Überblick zu behalten. Neben der Definition von Social Software wird das Konzept ‚Virtual Community’ zu seinem originären Ursprung zurückverfolgt.
Die Vertreter der Theorie, dass Virtual Communities Gemeinschaften im soziologischen Sinne sind, konstruieren das Internet bzw. Virtualität als Sozialraum. Eine wachsende Zahl von Nutzern und ständige Verfügbarkeit des Internet sind Voraussetzung für die Entstehung eines sozialen Handlungsraums. In diesem Kontext werden die Begriffe Kommunikation, Raum, das handelnde Subjekt, Sozialisation und Identitätskonstruktion definiert, da sie die theoretische Grundlage für die Definition einer ‚Virtual Community’ bilden.
In der Arbeit wird mittels des so genannten mediologischen Ansatzes eine Einordnung von Internet und Virtualität und damit auch von ‚Virtual Communities’ in den historischen Kontext vorgenommen. Mediologie ist eine Wissenschaft der Zeichen. Anders als klassische Medientheorien wird die Auffassung vertreten, dass Bedeutung und Sinn nicht nur über Kommunikation übertragen wird, sondern dass das übertragende Medium selbst als Kulturträger fungiert. Somit wird auch die Analyse des technischen Rahmens von Internet über den mediologischen Blick gebührend mit einbezogen. Neuere Ansätze zur Definition virtueller Gemeinschaften, vor allem in der anglo-amerikanischen Communityforschung, ziehen zur Erklärung von ‚Virtual Communities’ die Oralitätsthese von Walter J. Ong hinzu. Ong vergleicht orale mit auralen Kulturen. Das Besondere an der „Kultur“, die im Internet entsteht, ist, dass sie sowohl Kennzeichen oraler als auch auraler Kulturen zeigt.
In der Magisterarbeit werden schlussendlich Virtual Communities in den soziologischen Diskurshorizont eingearbeitet und verschiedene Typen von virtueller Gemeinschaft identifiziert, sowie deren Ählichkeiten bzw. Übereinstimmungen mit Gemeinschaften der sozialen Wirklichkeit heraus gearbeitet.






[...] milz.org. Wer sich aus soziologischer Perspektive für Online-Communities interessiert, kann da [...]