In puncto Veranstaltungen sollte man im Juni aufhorchen, wenn in den Medien die Rede vom “Infopark Internet Congress” (iico.de, 15. – 17. Juni in Berlin) oder von der “Internet World – Kongress und Fachmesse” (23. – 24. Juni, München) ist. Die Veranstaltungen gehören nach eigener Aussage in Deutschland zu den Wichtigsten im Bereich E-Commerce, wobei die Schwerpunkte bei diesen Tagungen grundverschieden gelegt sind.
Wärend iico.de sich vorrangig Teilnehmern aus mittelständischen Unternehmen widmet, die ohne spezifische Fachkenntnisse ihr Unternehmen strategisch klug im Netz positionieren wollen, ist Internet World eine Kombination aus Fachmesse und fünf Kongressen, sowie 2 weiteren externen Kongressen, die sich samt und sonders an ein spezifisches Publikum mit dezidierten Fachkenntnissen wendet.
In den rund 30 Vorträgen und Workshops der iico.de werden Web-Konzepte, -Anwendungen und -Technologien und deren Nutzung vorgestellt, ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Onlinemarketing. Die Tagung besticht zwar zum Teil durch interessante Referenten (Prof. Dr. Dr. Thomas Schildhauer, IEB/UdK, Berlin; Prof. Dr. Ralf Schengber, Marketing, FH Münster und Dr. Schengber & Friends – Community Marketing; Markus Beckedahl, netzpolitik.org), liest man sich jedoch die Gesamtliste der Vortragenden durch, kommt der Verdacht auf, dass nicht wenige Referenten aus den eigenen Reihen rekrutiert wurden. Auffällig ist auf der Website auch der fast schon amateurhafte Werbetrailer in ausgesprochen schlechter Qualität, der zudem wenig informativ ist. Darin lockt der Veranstalter weniger mit Inhalten als mit einem attraktiven Rahmenprogramm, das neben einer Spreerundfahrt auch ein Galadinner und Abendprogramm beinhaltet und die Unterbringung im 4-Sterne-Hotel. Ob der Preis von 780,- € für die Teilnahme am Kongress, von 360,- € für die Teilnahme an den Workshops plus 100,- € Gebühr für die Kongressunterlagen für eine Veranstaltung dieses Formats gerechtfertigt ist, ist zumindest fragwürdig.
Der internationale Kongress “Internet World” mit angeschlossener Fachmesse scheint nicht nur tiefer in die Materie Internet einzudringen, sondern ist auch zugleich das ausgwogenere Event. Ca. 150 Aussteller präsentieren auf der Messe verschiedene Produkte, Lösungen und Dienstleistungen aus den Bereichen E-Commerce, Shop- und Siteoptimierung und Onlinemarketing. Die fünf parallel stattfindenden Kongresse dieser Veranstaltung zu den verschiedensten wirtschaftsrelevanten Themen umfassen Vorträge von rund 120 Referenten (u.a. Achim Berg, Microsoft Deutschland; Robert Bosch, Axel Springer Media Impact, Springer Media AG; Alison Fennah, European Interactive Advertising Association (EIAA); Joachim Franz, Musicload. Ebenfalls vortragend (auch bei der iico.de vertreten) Prof. Dr. Ralf Schengber; Dr. Markus Klinger, Kleiner Rechtsanwälte).
Richtungsweisend werden vermutlich diejenigen Vorträge sein, die sich mit künftigen Entwicklungen im Internet Business beschäftigen. Das Angebot umfasst außerdem Workshops zu den Themen E-Commerce und E-Payment, Onlinemarketing, Rich Internet Appilcations (RIA), sowie Usability, Web-Analyse und Mobile. Interessant ist hier, dass zu den Workshops ausschließlich Anwender, nicht jedoch Anbieter zugelassen sind. Zu welchem Zweck dies geschieht ist nicht ganz klar: Zum Schutz des Veranstalters, der unangenehme Zwischenfragen verhindern will oder zum Schutz derjenigen Anbieter, die firmeninternes Material zu Schulungszwecken zur Verfügung stellen und die davor bewahrt werden sollen, ihre eigenen Anwendungen nach dem Kongress als schlampig kopierte Freeware im Netz wiederzufinden? Der Internet World sind außerdem zwei weitere Kongresse angeschlossen: Mobile Vision 09 und RIA World Area. Thematisch wird hier Mobility im Unternehmenseinsatz fokussiert; die RIA World Area läuft unter dem Stichwort Entwicklerkonferenz.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass bei dieser Großveranstaltung nicht nur das hochkarätige Programm und die Aktualität der Themen das Angebot der “iico.de” um Längen schlägt. Die “Internet World” bietet zum Preis von 1290,- € bzw. 1490,- € (All Area Access) im Vergleich ein finanziell ungleich attraktiveres Angebot.





