Denkt man an Teamarbeit, so verbindet man meistens ein bestimmtes Szenario damit: Eine Gruppe trifft sich irgendwo, um eine Aufgabe gemeinsam zu bearbeiten, meist in Verbindung mit mindestens einer Tasse Kaffee. Das Problem, was wohl jeder dabei kennt: Wie bekommt man alle Mitarbeiter unter einen Hut? Wann trifft man sich? Welcher Ort ist für jeden gut erreichbar? Der eine kann am Montag nicht, ein anderer am Dienstag, wieder dem nächsten passt der Donnerstag überhaupt nicht. So kann man schnell in der nächsten Woche landen, wo das Ganze wieder von vorne beginnt. Je größer die Gruppe wird, desto schwieriger wird die Terminabsprache.
Eine andere Form der Teamarbeit, die dieses Problem meist gar nicht kennt, ist die Teamarbeit im Internet. Es gibt Angebote wie z.B. die kids-hotline (www.kids-hotline.de), eine Einrichtung der Jugendhilfe, die nahezu ausschließlich über das Internet zusammenarbeiten. Etwa 70 Mitarbeiter haben es sich zur Aufgabe gemacht, Jugendliche zu beraten. Hierbei wird Nahezu jede Frage beantwortet, die den Jugendlichen unter den Nägeln brennt.
Ich habe auf dieser Plattform eine Umfrage durchgeführt, in der es um die Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Vor- bzw. Nachteile dieser Online-Beratungsplattform gegenüber einem face-to-face-Beratungsangebot sowie die persönlichen Beweggründe, sich online zu engagieren, ging.
Zwei Antworten dominiert die Antworten nach den persönlichen Beweggründen: Acht Mitarbeiter schrieben, dass die freie Unabhängigkeit von Zeit und Ort für sie eine Rolle spiele. Sieben Mitarbeiter nannten, dass ihnen die Beratung Spaß mache, dass sie gerne mit Jugendlichen und für Jugendliche arbeiten und dass sie helfen möchten. Zwei Mitarbeiter antworteten, dass es ihnen egal sei, ob die kids-hotline online oder face-to-face arbeite, sie seien einfach gerne Mitarbeiter der kids-hotline. Ebenfalls zwei Mal wurde genannt, dass das Internet das beste Medium sei, um Jugendliche zu erreichen. Jeweils ein Mitarbeiter sagte, dass er gerne am PC arbeite bzw. aufgrund gesundheitlicher Probleme dazu gezwungen sei.
Die Frage nach den Vor- bzw. Nachteilen gegenüber einem face-to-face-Beratungsangebot für Jugendliche wurde im Bereich der Vorteile ganz klar durch eine Antwort dominiert. Sechs Mitarbeiter nannten, dass man sich den Beitrag noch einmal durchlesen könne bzw. sich mehr Gedanken darüber machen könne, bevor man ihn letztendlich abschicke. Jeweils zwei Mal wurde genannt, dass man sowohl orts- als auch zeitunabhängig sei, dass sowohl User als auch Mitarbeiter anonym sind sowie dass es einfacher ist, die nötige Distanz zwischen Mitarbeiter und User während einer Beratung zu wahren. Jeweils ein Mitarbeiter antwortete, dass die Hemmschwelle für Jugendliche niedriger sei, sich anonym im Internet Hilfe zu holen als zu einer Beratungsstelle vor Ort zu gehen, so dass das Internet oft als Vorstufe zur persönlichen Beratung fungiere. Ebenfalls ein Mal wurde genannt, dass es weniger anstrengend sei, immer wieder in kleineren Sitzungen zu arbeiten statt geballt in einer langen Sitzung und dass die Mitarbeiter sich auch für laufende Beratungen problemlos Hilfe holen könnten.
Nachteile gab es einige, die häufiger genannt wurden. Jeweils vier Mitarbeiter antworteten, dass man den Chatpartner nicht kennen lerne und somit einige nonverbale Kommunikationsmittel verloren gingen sowie dass kein direkter Kontakt zum User bestehe, was zur Folge habe, dass man Unwahrheiten nicht schnell durchblicken könne. Jeweils drei Mal wurde der mangelnde persönliche Kontakt zwischen den Mitarbeitern sowie die zeitversetzte Kommunikation genannt. Je ein Mitarbeiter schrieb, dass man einen guten schriftlichen Ausdruck benötige, um unmissverständlich kommunizieren zu können, dass aufgrund der niedrigen Hemmschwelle mehr „unwichtige“ Anfragen gestellt würden und somit die Gefahr bestehe, dass der User sich aus der realen Welt zurückziehe, dass die Online-Teamarbeit mehr Zeit benötige und dass die Plattform übersichtlich ist.
Mir fiel auf, dass die Ergebnisse der Umfrage zwar sehr unterschiedlich waren, doch kam eines ganz klar zum Vorschein: Für die meisten stellt genau dieses zeit- und ortsunabhängige Arbeiten einen Grund dar, sich online und nicht bei einem vergleichbaren Angebot in ihrem Ort zu engagieren, weiterhin wird es als Vorteil genannt. Man kann also schon sagen, dass es eine wichtige Rolle spielt.
Gerade in der heutigen Zeit, in der Flexibilität groß geschrieben wird und Zeit sowieso Mangelware ist, ist es wichtig, neue Mittel und Wege zu finden, durch die Menschen erreicht werden können. Das Internet ist für einen Großteil der jungen Generation zur Selbstverständlichkeit geworden. Weshalb sollte man es also nicht nutzen, um ein gemeinsames Arbeiten zu ermöglichen?
von Christina Schlange
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In loser Reihenfolge schreiben die Studenten des Seminars “Gesellschaft im Netz: Soziologische Betrachtungen und Perspektiven” (IfS Münster, WiSe 2007/08) Beiträge für diesen Weblog.
















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