Bei meiner Recherche über die Internetseite MySpace hat mich Herr Albers auf einen interessanten Artikel von Danah Boyd „Identity Production in a Networked Culture: Why Youth Heart MySpace“ vom Februar 2006 hingewiesen, der es meiner Meinung nach Wert ist, über ihn in diesem Blog zu berichten.
Seit dem Start von MySpace im Jahre 2003 bis zum Februar 2006 hat die Internetgemeinschaft MySpace einen rasanten Mitgliederzuwachs verzeichnet, über 50 Millionen Profile wurden auf der englischsprachigen Seite eingerichtet, die meisten User sind dabei zwischen 14 und 24 Jahren alt. Kurz einige Worte über die Plattform MySpace (www.myspace.com). Die Seite ist ein öffentliches soziales Netzwerk wie z.B. Friendster, Facebook oder das deutsche StudiVZ. Im Kern beinhaltet sie die Profile der Nutzer, welche über Links mit anderen Nutzern (deren Freunden) verbunden sind. Diese Profile sind personalisiert mit Fotos, Musik, Angaben (Interessen, Einstellungen, etc.) und drücken somit die Persönlichkeit des Internetnutzers aus. Die Kommunikation läuft über Kommentare die man auf anderen Seiten hinterlässt und über Nachrichten die geschrieben werden (Instant Messaging, kurz IM). Viel Zeit verwenden die Jugendlichen aber um ihr eigenes Profil zu modifizieren, daran zu feilen und immer individueller zu gestalten. Danah Boyd stellt eine interessante These auf, warum gerade MySpace (übertragbar auch auf anderen Gemeinschaften wie Facebook oder StudiVZ) so beliebt bei Heranwachsenden ist und warum es entscheidend für die Identitätsentwicklung ist.
Wie Kleidung die wir tragen, drücken die Profile in MySpace dasselbe aus. Sie vermitteln ein Bild des Nutzers, welcher Musikrichtung er/sie hört, welche politische Einstellung jemand hat, etc. Das Profil gibt also Teile der Identität des Nutzers Preis.
Die gegenseitige Bewertung der Seiten durch Freunde und die Zurschaustellung im öffentlichen Internetraum, formen dabei ebenso die Identität der Heranwachsenden, wie die tägliche Bewertung des Aussehens, des Kleidungsstils oder der Musik z.B. in der Schule oder beim Treffen mit Freunden.
Durch diese Feedbacks und den Einfluss der Medien finden Jugendliche heraus, was „in“ oder „cool“ ist. Eigenschaften und Geschmäcker werden angenommen, dann wieder abgelegt, Rollen werden erprobt, zwischen verschiedenen Identitäten wird gewechselt, bis man seine individuelle gefunden hat.
In diesem Selbstfindungsprozess spielt MySpace also eine große Rolle. Die Profile sind quasi „digitale Körper“ und MySpace bietet den Heranwachsenden die Möglichkeit sich in Gruppen von Gleichaltrigen zu sozialisieren, Beziehungen aufzubauen und verbunden zu bleiben, selbst wenn man physikalisch getrennt ist.
Diese Sozialisation, das so genannte „Rumhängen“ ist mit den Möglichkeiten von Seiten wie MySpace zu einem großen Teil ins Internet verschoben werden. Der Mangel an Mobilität und Zugang zu privaten Jugendtreffs, also Schutzzonen von Jugendlichen, wo sie sich ohne Zugriff der Eltern und ohne Gefahr austauschen können, macht MySpace so populär. Traf man sich früher um ungestört unter sich zu sein im Park, im Jugendtreff oder im Imbiss, wird heute das Internet genutzt. Ein Grund dafür ist vielleicht auch die gestiegene Gefahr die von solchen öffentlichen Plätzen durch Drogen, Gewalt und Kriminalität ausgeht.
Die digitale Technologie erlaubt es also einen privaten und zugleich öffentlichen Raum für Jugendliche zu schaffen. Während IM (Instant Messaging) einen privaten Raum schafft, eröffnet MySpace den öffentlichen. Dieser Raum wird von Heranwachsenden so dringend benötigt, ein Platz zum Treffen, zum Sehen und Gesehen werden.
Natürlich können auch hier Eltern Zugriff auf ihre Schützlinge bekommen, da es für Jugendlichen nie gänzlich möglich ist sich der Kontrolle der Eltern zu entziehen. Wenn diese Angst bei Jugendlichen vorhanden ist und das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kind gestört ist, ändern viele User ihren Namen oder machen das Profil privat, was auf MySpace möglich ist.
Die Eltern müssen jedoch begreifen, dass gerade die Heranwachsenden diesen ungestörten Platz brauchen um die eigene Identität zu finden, zu reifen und sich zu sozialisieren.
von Tim Dlusniewski
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In loser Reihenfolge schreiben die Studenten des Seminars “Gesellschaft im Netz: Soziologische Betrachtungen und Perspektiven” (IfS Münster, WiSe 2007/08) Beiträge für diesen Weblog.





