Ist das Wissen allgemein gültig? Identitätsentwicklung durch MySpace
Feb 14

Immer wieder hört man davon, dass sich Beziehungen heutzutage häufig auch über das Internet bilden, doch was genau hat man sich unter dieser Form der Virtuellen Vergemeinschaftung vorzustellen? Und wo liegen die Vorteile und was sind die Risiken?
Befürworter der virtuellen Gemeinschaft sprechen davon, dass im Internet etwas möglich wird, was in unserer hektischen Realwelt verloren gegangen ist. Im Internet kann man die Nähe und Wärme finden, die man im echten Leben nur schwer erlangt. Und man kann viel einfacher Leute finden, welche die gleichen Interessen haben wie man selbst. Durch die zu Beginn sehr niedrige Hemmschwelle, da man sich ja nicht persönlich kennt und man sich nicht zwingend in der realen Welt treffen muss, kann man sehr viel mehr von sich selbst Preisgeben als man es sonst tun würde. Auf so eine Art und Weise kann Nähe schneller entstehen. Auch verbindet das Internet Gegenden die geografisch weit auseinander liegen, so kann man Leute kennen lernen, die man in seinem Umfeld niemals treffen würde.


Kritiker befürchten hingegen, dass unsere Gesellschaft durch virtuelle Vergemeinschaftung nur noch mehr in die Anonymität abdriftet. Sie sprechen von zunehmender Vereinsamung und davon, dass man sich nicht im Netz auf Suche nach Freundschaft und Nähe begeben würde, wenn man dies auch in der realen Welt bekommen könnte. Das Bild das anonymen Menschen, der tagein tagaus seine Arbeit verrichtet, dann in eine sterile und freudlose Wohnung zurückkehrt und sich dann in Ermangelung realer Freundschaften in eine Scheinwelt zurück zieht. Hier kann man sich darstellen wie man gerne sein kann, die graue Büromaus wird zur wilden Partyqueen und der übergewichtige Teenager zum Sunnyboy.
Doch wie realistisch ist dieses Bild? Sind in Internetchats nur einsame Leute unterwegs und stellen sie sich nur in den leuchtensten Farben vor, damit sie endlich die Aufmerksamkeit bekommen, nach welcher sie sich so sehr sehen? Oder gibt es dort auch einfach ganz normale und ehrliche Menschen, die bloß auf der Suche nach etwas Ablenkung sind und die glauben, dass man im Internet viele faszinierende Menschen kennen lernen kann, die man sonst nie treffen würde.
Studien zeigen, dass es kaum Menschen gibt die neben ihren Onlinebeziehungen keine realen Freundschaften mehr haben, meist ist eher das Gegenteil der Fall: Menschen die in ihrem realen Leben sehr kontaktfreudig sind, sind dies auch im Netz. Ein solcher Mensch verfügt also über ein breites Beziehungsnetzwerk, meist ist es jedoch so, dass er sehr starke Verbindungen (strong ties) zu seinen realen Freunden unterhält, während die Verbindungen zu den Internetbekanntschaften eher schwach sind (weak ties). Wird eine Internetbeziehung doch einmal sehr eng, dann ist es auch sehr wahrscheinlich, dass man sich irgendwann dazu entschließt sich auch face-to-face zu treffen.
Überhaupt ist die Bereitschaft bei den Usern sehr hoch sich mit ihren online Kontakten auch im realen Leben zu treffen sehr hoch. Treffen zwischen Forumsmitgliedern und Chattern sind häufig und werden unter Umständen auch mal von den Betreibern der Internetseiten organisiert oder angeregt. Man kann also das Fazit ziehen, dass wir durch Internetbeziehungen nicht vereinsamen sondern dass wir Beziehungen im Netz eher als Chance sehen sollten andere Menschen kennen zu lernen, denen wir im realen Leben niemals begegnen würden.

von Svenja Stahlberg

In loser Reihenfolge schreiben die Studenten des Seminars “Gesellschaft im Netz: Soziologische Betrachtungen und Perspektiven” (IfS Münster, WiSe 2007/08) Beiträge für diesen Weblog.

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