Podcast “Barrierefreie Öffentlichkeit? Nachrichtenverbreitung und Meinungsbildung im Internet” Vortrag: Emanzipative und subversive Potentiale der neuen Medien
Jan 05

Silversurfer bezeichnet man die Nutzer ab 50 Jahren im Internet. Sie gehören zu der Generation, für die es nicht selbstverständlich ist, mit einem PC aufgewachsen zu sein bzw. mit dem Internet. So tippt mein Vater seine Rechnungen beispielsweise noch auf einer Schreibmaschine, immerhin ist diese elektrisch. Meine Mutter hingegen tippt seit ca. 4 Jahren auf einem Laptop mit WLAN, ist im Internet zu Hause, kauft Artikel, informiert sich. Es wäre sicherlich überprüfenswert, ob dies bedeutet, dass Frauen Neuerungen wesentlich aufgeschlossener gegenüber stehen. Das soll aber ein anderes Thema sein. Fest steht, dass nach und nach auch die Älteren, die so genannten Silversurfer, das Internet für sich entdecken.

Gab es vor Jahren noch eine gewisse Unsicherheit im Umgang mit dem Thema Internet und PC, gehen nun jedes Jahr mehr dieser Generation ins Netz. Die Zuwachszahlen der Älteren übersteigen mittlerweile sogar die der Jüngeren.
Befürchtungen bzw. Nutzungsbarrieren der älteren Bevölkerungsgruppen aus dem Jahr 2000 (nachzulesen auf http://www.ard-zdf-onlinestudie.de), wie etwa die Angst vor hohen Kosten eines Internet-Zugangs oder vor sozialer Isolation durch das Internet haben sich nicht bestätigt, das Gegenteil ist der Fall. So wie es einen Bedarf an Kommunikation/Vernetzung junger Surfer gibt, wie es am Beispiel des StudiVZs zu sehen ist, gibt es auch soziale Netzwerke für die Älteren, siehe www.platinnetz.de.
Auch der Punkt, dass sich viele von ihnen selbst mangelnde Kompetenz im Umgang mit den neuen Medien zuschrieben, hat sich durch vorinstallierte PC-Systeme, Plug and Play oder das barrierefreie Internet zerstreut. Die Industrie hat diese Gruppe für sich entdeckt und hat reagiert.
Die Silversurfer suchen dabei im Netz weniger Videos, Klingeltöne oder Spiele, sie gehen zielgerichteter vor. Der Unterhaltungsaspekt spielt eine geringere Rolle. Vielmehr interessieren sie sich für die Dinge, mit denen sie sich auch schon zu Zeiten befassten, als das Netz noch nicht allgegenwärtig war: sie besuchen Kochseiten, erkundigen sich über mögliche Reiseziele, gehen Shoppen. Es geht also mehr um einen praktischen Wert für die Freizeitgestaltung „draußen“.
Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass der Anteil der Älteren im Netz immer größer wird und da sie es auch sind, die im Verhältnis zu Gesamtbevölkerung das meiste Geld besitzen, wird sich wohl in Zukunft auch das Internet weiter in ihre Richtung wandeln.
Und sie haben noch einen Vorteil gegenüber den jüngeren Surfern, wie es der Gründer von www.seniorentreff.de in einem Spiegelartikel sagte: “Bei uns können die Nutzer wenigstens noch richtig Deutsch.“

von Jens Hedenkamp

In loser Reihenfolge schreiben die Studenten des Seminars “Gesellschaft im Netz: Soziologische Betrachtungen und Perspektiven” (IfS Münster, WiSe 2007/08) Beiträge für diesen Weblog.

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12 Responses to “Silver-Revolution?”

  1. Andreas Says:

    Das Thema “Internetnutzung” der über 50-Jährigen ist mit Sicherheit ein interessantes Thema, aber dieser Artikel wird an vielen Stellen der Komplexität des Themas nicht gerecht. Kritisch zu sehen ist vor allem die Vermischung von Fakten und Vermutungen. Die Aussage, dass die Nutzer über 50 Jahre das meiste Geld besitzen und damit die attraktivste Zielgruppe sind, kann bei Berücksichtigung der Markt- und Werbeforschung nicht stehen gelassen werden.
    Darüber hinaus ist der Schluss des Artikels absolut unpassend. Das Zitat hat keinen Bezug zum restlichen Artikel und einen ausländerfeindlichen Beigeschmack… das geht besser!

  2. Jens (Autor) Says:

    Zunächst einmal stellt sich die Frage, inwiefern sich ein Blog-Artikel von einem wissenschaftlichen Artikel abgrenzt.
    Dass hier in einem gewissen Maße subjektiv, unterhaltsam und nicht in voller Länge über Sachverhalte geschrieben wird, scheint ein Merkmal von “Blogs” zu sein. Natürlich kann man in einem Blog-Artikel dem Thema nicht in vollem Umfang gerecht werden, was auch nicht die Intention war.
    Den letzten Absatz des Kommentars möchte ich nicht weiter kommentieren, über Geschmack läßt sich schließlich streiten und ich gestehe dem Leser seine eigene Form der geistigen Interpretation zu.

  3. Jens (Autor) Says:

    …und um Mißverständnisse zu vermeiden, aufgrund der Sensibilität des Themas, distanziere ich mich vom Vorwurf von Andreas, und betone, dass dies in keinster Weiser meine Intention war.
    Ironie in Bezug auf die Fähigkeiten zur Rechtschreibung von Älteren und der Handygeneration war durchaus gewollt. Ich fasse den letzen Absatz von Andreas mal als Schnellschuss auf.

  4. Jens (Autor) Says:

    …und auf Grund der Sensibilität des Themas möchte ich mich von jeglicher Intention in Bezug auf Ausländerfeindlichkeit distanzieren, es handelt sich hierbei vielmehr um einen ironischen Hinweis auf mangelnde Rechtschreibqualitäten der “Handy-Generation”. Falls dies nicht durchgekommen ist, bitte ich das zu entschuldigen.

  5. Andreas Schelske Says:

    Liebe Blogger,
    da bei mir schon kritische Mails aufgelaufen sind, möchte ich kurz mitteilen, dass der oben genannte Andreas, nicht mit mir bzw. “Andreas Schelske” identisch ist. Vielleicht sollten die Administratoren nur volle Namen zulassen, um Verwechslungen stärker zu vermeiden.

    Beste Grüße
    Andreas Schelske

  6. Karoline Frohlinde Says:

    Lieber Herr Schelske, lieber Herr Hedenkamp, lieber Andreas,

    ich habe mich dagegen entschieden nur Beiträge unter vollem Namen zuzulassen, weil ich allein die Schlussfolgerung, jeder Andreas müsse auch Andreas Schelske sein, hanebüchen finde und dementsprechend auch die Mails, die Sie, Herr Schelske, erhalten haben. Ich entschuldige mich hiermit in aller Form für die voreiligen und an den Haaren herbeigezogenen Rückschluss des oder der Mailschreiber, Sie müssten der Autor des Kommentars sein.

    Dennoch werde ich weiterhin Beiträge ohne vollen Namen, mit Pseudonym oder auch Anonym zulassen, wenn der Beitrag nicht offensichtlich beleidigend o.ä. ist, weil das basal für eine gesunde Streitkultur im virtuellen Rahmen halte.

    Die Diskussion, die hier beginnt sich zu entwickeln basiert offensichtlich auf einem Mißverständnis: Herr Hedenkamp hat in seinem Artikel nur auf einen Artikel bei Spiegel Online verwiesen, der ganz klar satirisch ist. Inwiefern Satire den eigenen Geschmack trifft, darüber kann man bekanntermaßen streiten.

    Im übrigen würde ich mich über jedwede weitere Diskussion in diesem Blog zu den Artikeln der Studierenden sehr freuen, weil eine Menge Arbeit, Zeit und Rechercheleistung darin steckt und sicherlich der ein oder andere diskussionswürdige Punkt.

    Viele Grüße,
    Karo Frohlinde

  7. Andreas Says:

    Nach mehrmaligem Lesen muss ich tatsächlich den letzten Absatz meines Kommentars zurücknehmen. Da ich mich in letzter Zeit mit der Mediennutzung von Migranten befasst habe und die “internetnutzenden Migranten” bis auf wenige Ausnahmen jüngeren Alters sind, habe ich den Artikel direkt damit verknüpft. Dementsprechend war es wirklich ein Schnellschuss und dafür möchte ich mich entschuldigen.

    Trotzdem werde ich mit dem Artikel nicht warm. Er mag zum Nachdenken anregen und die ein oder andere Information beinhalten. Aber um im letzten Abschnitt eine Prognose zu wagen, wie sich das Internet und seine Nutzung durch die ältere Generation verändern wird, hat der Artikel zu wenig Substanz. Wenn die Prognose hingegen eine subjektive Einschätzung ist, sollte das stärker hervorgehoben werden!

  8. Karoline Frohlinde Says:

    Lieber Andreas,

    ich persönliche lese manche Sachen auch nur, weil sie lustig sind.

    Insbesondere bestimmte Spiegel-Artikel und -Autoren bedienen ein Segment, das ich unter intellektuellen Fäkalhumor abbuchen würde. Und rege konsumiere.

    MfG,
    KSF

  9. Jens (Autor) Says:

    Hallo Andreas,

    ich kann zum Thema Konsumfreude/Vermögensverhältnisse und ältere Generationen nur anregen, die letzten Studien der GFK zu diesem Thema zu lesen, da wird einiges klarer.
    Dazu ist mein Blog-Artikel natürlich subjektiv, der ist ja auch von mir ;) und wie gesagt, es ist ein BLOG!

    Ich muß Karoline übrigens zustimmen, finde es auch gut, dass es Feedback zu den Artikeln gibt und es ist mir eine besondere Ehre, dass mein Artikel gleich so viel Aufmerksamkeit bekommen hat, auch wenn ich ein bißchen ungewollt selbst für Publicity gesorgt habe ;)

    Beste Grüsse
    Jens

  10. Andreas Says:

    Jetzt will ich die Diskussion doch einmal kurz verlassen und über folgenden Satz reden, der glaube ich deutlich macht, dass wir mit ganz unterschiedlichen Erwartungen an diesen Blog herangehen:

    “Dazu ist mein Blog-Artikel natürlich subjektiv, der ist ja auch von mir ;) und wie gesagt, es ist ein BLOG!”

    Bloggen heißt für mich nicht einfach nur privater Gedankenausdruck. Ein Blog ist vor allem nicht gleichzusetzen mit einem Tagebuch, wo man über dies und das sinnieren kann. Ich will nicht bestreiten, dass dies in einem Großteil der Blogs Gang und Gebe ist, aber es gibt auch noch andere Blog-Arten, wie beispielsweise WatchBlogs, Corporate Blogs oder eben Knowledge- und Projekt-Blogs.

    Was ist das hier also für ein Blog?
    Auf der Seite “Über diesen Blog” steht, dass die Ringvorlesung begleitet und dokumentiert werden soll. Zudem soll eine produktive Plattform für Diskussionen rund um die sozialen Aspekte des Internets entwickelt werden. Nach meinem Verständnis dient dieser Blog also zur Sicherung und Veröffentlichung der Ergebnisse in der Vorlesung. Darüber hinaus soll er als Anlaufstelle für Leute dienen, welche sich mit “Internet und Gesellschaft” auseinandersetzen und darüber diskutieren möchten. Es zeigen sich also deutliche Unterschiede zu einfachen Tagebuch-Blogs und einer davon ist der wissenschaftliche Anspruch, den dieser Blog hat! Dementsprechend würde ich mir wünschen, dass diese Seite auch so wahrgenommen wird - vor allem von den Bloggern selbst.

    Allerdings ist mir auch klar, wie die Studentenbeiträge zu verstehen sind. Es sind größtenteils TumbleBlog-Einträge, die auf interessante Gedanken oder Zeitungsartikel zum Thema “Internet und Gesellschaft” aufmerksam machen sollen. Das soll keineswegs abwertend klingen! Ganz im Gegenteil: Solche Beiträge können einem interessierten Leser einen Anreiz bieten, sich genauer mit dem Thema zu beschäftigen (oder dem Studenten, eine Haus-, Examens- oder Magisterarbeit darüber zu schreiben). Und gerade deswegen würde ich mir wünschen, dass die aufgeworfenen Fragen nicht mit einer persönlichen Stellungsnahme beantwortet, sondern tatsächlich offen gelassen werden.
    Im Anschluss daran könnte ein Student das Thema in einer Hausarbeit bearbeiten (wobei ich nicht weiß, ob in Ringvorlesungen in Münster überhaupt Hausarbeiten angefertigt werden) und schließlich einen zusammenfassenden Beitrag schreiben (vielleicht sogar mit der Hausarbeit im Anhang). Meines Erachtens kann sich nur so der Zweck dieser Seite erfüllen: eine öffentliche Plattform bieten für eine soziologische Auseinandersetzung mit dem Internet.

  11. Jens (Autor) Says:

    …über Objektivität in der Wissenschaft läßt sich streiten. Ich bin der Meinung, es das Ideal der völligen Objetivität nicht gibt, da jeder, auch in der Wissenschaft, gar nicht anders kann, als subjetiv zu denken/handeln (-> Konstuktivismus).
    Es gibt sicherlich eine Wahrheit die mit dem Mittel der Objetivität versucht wird zu erreichen, aber es wird nie eine Garantie geben, dass man sie gefunden hat.

  12. Andreas Says:

    Das Ideal der vollständigen Objektivität gibt es sehr wohl - aber es ist nunmal ein Ideal :wink:
    Wobei Objektivität ja auch nicht die vollkommene Ausblendung der eigenen Persönlichkeit und des sozialen Umfeldes bedeuten muss. Dann könnte man tatsächlich keine Objektivität in der Wissenschaft erreichen. Aber Objektivität bedeutet meines Erachtens auch viel mehr die Beachtung von gewissen Regeln (Aussagen müssen belegt werden usw.). In einem wissenschaftlichen Blog-Artikel können demnach gerne Bewertungen vorgenommen werden, müssen allerdings belegt werden - beispielsweise durch Angabe von Links oder Quellen. Ansonsten ist es tatsächlich nur eine subjektive Stellungnahme mit eher geringem Mehrwert…

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