Vortrag: Wissenspeicher Internet – Web 2.0 als globale Wissenswelt und kollektiver Wissensvorrat

Dez 08 2007 Published by under Gastautoren, Vorlesung

Zusätzlich zu Dr. Christoph Biebers Vortrag am Montag können wir am Mittwoch, den 12.12.2007, Dr. Tina Guenther in Münster begrüßen. Dr. Günther wird sich unter besonderer Berücksichtigung der technischen Fortschritte der letzten Jahre der Wissenserzeugung und -Verbreitung im Internet widmen.

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Vortrag:
Wissensspeicher Internet – Web 2.0 als globale Wissenswelt und kollektiver Wissensvorrat

Zwar verbirgt sich hinter dem viel verwendeten Begriff “Web 2.0″ kein diskreter Versionssprung, doch assoziiert dem Internet der Gegenwart im Gegensatz zum Internet der späten 1990er Jahre vier Charakteristika: (1) Prodnutzung, d.h. die Untrennbarkeit von Urheberschaft, Distribution und Verwendung von Inhalten, hat sich zu einem Massenphänomen entwickelt. (2) Social Production, d.h. kollaborative, nicht-marktliche, non-proprietäre und heterarchische Erzeugung von Inhalten, (3) Flexibilität, d.h. Möglichkeit der Neu-Kombination von Online-Angeboten aus einer Vielzahl von Quellen, sowie (4) p2p-Bewertung ex post anstelle der Gatekeeping-Funktion der etablierten Medien, die Prodnutzung neuer Inhalte jenseits von organisationalen und marktlichen Settings zulässt. Die Online-Formate des neuen Internet (RSS, Weblogs, Wikiwebs, social networking sites) können alsKombinationen aus drei Wissenstypen neu erstellt oder re-kombiniert werden: der Content (alle Inhalte), der Code (softwaretechnische Grundlagen, die Programmabläufe abhängig von Systemzuständen oder Aktionen der Nutzer steuern) und Metadaten (Meta-Informationen über Code). Mit den sich daraus ergebenden vielfältigen Möglichkeiten, Informationen, Wissen und wissensrelevante Güter zu organisieren, verändert das Internet fundamental unsere Zugangsweise Informationen, Wissen und wissensrelevante Güter sowohl online als auch offline.

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Die Referentin:

 

 

 

 

 

 

 

Dr. Tina Guenther ist freiberufliche Soziologin und in der wissenschaftlichen Blogosphäre durch ihren Blog Sozlog bekannt. Sie lehrt außerdem als freie Dozentin; ihre Arbeitsschwerpunkte sind Wirtschafts- und Organisationssoziologie und das Internet.

Tina Guenther im Interview:

Wie verändert das Internet die Gesellschaft?

Da sich sowohl die Sozialformationen im Netz als auch die in der Gesellschaft in dynamischem Wandel befinden, ist diese Frage von der Entwicklung bereits überholt worden. Denn nicht durch das Internet, sondern mit zunehmender Verbreitung des Internet, mit Entdeckung, Gestaltung und vielfältigen Nutzungsweisen ändert sich fundamental auch die Art und Weise der Mediennutzung und Mediengestaltung (z.B. weg von der Passivität der Medienrezeption), die Art und Weise, wie wir Informationen und Wissen in der Alltagspraxis organisieren, aber auch, wie Informationen, Wissen und wissensrelevante Güter durch die Vielzahl Internetnutzer kollaborativ, nicht-marktlich, non-proprietär und heterarchisch erzeugt, verbreitet und genutzt werden.

Welche sozialen/gesellschaftlichen Auswirkungen hat das Internet Ihrer Meinung nach?

Analog zu Kalender und Uhrzeit, die sich allgemein gesellschaftlich
auswirken, somit auch die Alltagspraxis der Menschen verändern, die selbst weder Kalender besitzen noch keine Uhr tragen, sind in Bezug auf das Internet die ökonomischen, sozialen und kognitiven Auswirkungen allgemein. Sie betreffen auch die Menschen, die nicht am Internet interessiert oder vom Zugang zum Internet abgeschnitten sind. Die Trennung zwischen “real” und “virtuell” für online und offline verschwindet mit zunehmender Verbreitung, und wachsender Vielfältigkeit der Online-Formate und zunehmendem Gebrauch in der Wirtschafts-, Organisations-, Wissens- und Alltagspraxis.

Was interessiert Sie an den sozialen/gesellschaftlichen Auswirkungen des Internet?

Es ist eine der Herausforderungen der Onlineforschung, welche weit über ein Beschreiben und Vermessen des Internet, seiner Sozialstruktur und
Entwicklungsdynamik hinausreicht, geeignete Fragen Forschungsvorhaben, Methoden und Untersuchungsdesigns zu Voraussetzungen, Entstehungsweisen und sozialen Formen der Online-Interaktion zu entwickeln und zu erforschen, die Konstitution und Neu-Konstitution sozialer Netzwerke, Wissensnetzwerke, politischer Meinungsbildung und politischen Handelns, von Märkte, Identität, kulturellem und geistigem Leben im Netz, wie und durch welche Mechanismen es zum sozialen Leben offline in Beziehung steht. Aus diesem Grund interessiert mich vor allem das soziale Leben im Netz in seinen vielfältigen Facetten – vor allem Märkte, Soziale Produktion von Information, Wissen und wissensverwandten Gütern, sowie Netzwerke, Reputations- und Identitätsmanagement.

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Webtipps:

Wissensweblogs, Wikiwebs, Weblogs, social networking sites…

Dazu Dr. Günther im Vorfeld: “Als Sozialwissenschaftler mit vertieftem Interesse sollte man sich viele verschiedene Plattformen anschauen, in denen Menschen Tausch und Handel betreiben, Informationen, Wissen und mit Wissen verwandte Güter produzieren (z.B. Wissensweblogs, Wikiwebs), oder die eigene Projekte, Themen, Organisationen oder die eigene Person “promoten” (z.B. Weblogs, social networking sites). Ein Gespür für Dynamik der Entwicklung, den Facettenreichtum sozialer Interaktion im Netz sowie für ungeschriebene Regeln und Prozeduren erhält, wer vielfältige Nutzungs-, vielleicht auch Gestaltungserfahrungen sammelt und sich mit anderen Nutzern austauscht.”

Zur Vorbereitung:

 

 

 

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