Vortrag: Arbeitsmarkt 2.0 - Strategien der Selbstdarstellung im Netz Vortrag: Politik im Netz - Die politische Dimension des Internet.
Dez 02

Warum bin ich hier eigentlich noch drin? Der Klebeeffekt bei Internetcommunitys

Selbstdarstellung, Freunde sammeln wie Pilze im Wald und „netzwerken“ was das Zeug hält. Längst folgen hundertausende von Usern in Deutschland als Mitglieder der Communitys XING oder dem StudiVz diesem Web-Trend, stets in der Hoffnung auf einen Job, auf Anerkennung durch neue Freunde oder auf einen Flirt. Um im Wettbewerb der Inszenierungen zu punkten, wird das eigene Leben aufbereitet, neue Identitäten bilden sich aus. Doch wie verläuft eigentlich der Weg in die Communitys? Und halten sie das, was sie versprechen? In dem Artikel „Willst du mein Kontakt sein?“ unterzog sich die ZEIT-Journalistin Anne Kunze einem Selbstversuch und wurde mit zwei erfundenen Identitäten Mitglied der Businessplattform XING. Sie schildert in diesem Bericht ihre Erfahrungen. Wie Kontakte entstehen, die ersten privaten Einladungen folgen, dass wie im wahren Leben „viel Baggern aber auch ein bisschen Business stattfindet“ und sie sich irgendwann die Frage stellt - die erhofften Joabangebote bleiben fern - ob es nicht Zeit ist, endlich aus dem Netzwerk auszutreten, doch sie bleibt.

Diese Erfahrung ist vielleicht typisch für die Teilnahme an Internetcommunitys. Nach erster Euphorie folgt Ernüchterung, aber wer einmal drin ist, steigt selten wieder aus – der Klebeeffekt.
Meist beginnt es mit einem neugierigen Einstieg ein Vortasten in die neue Welt, verbunden mit wagen Hoffnungen. Dann folgt eine Phase intensiver Nutzung, Mails werden verschickt, Freunde gesammelt. Doch die Erwartungen steigen mit der Zeit, langsam sollte was passieren. Dann: die ersten Enttäuschungen. Die Erkenntnis stellt sich ein, wieviel wertvolle Zeit durch surfen in den Profilen verloren geht, Langeweile kommt auf, die Lust vergeht. Es folgt oft die Abschwungphase, meist einhergehend mit der Verwahrlosung des Profils, es wird nicht mehr aktualisiert. Doch die Community verlassen? Das geht nicht. Denn: die Netzwerke sind wie eine große Lotterie mit vielen Gewinnversprechen. Ein Profil und eine Identität zu entwerfen kostet den Nutzer kaum Zeit und meist kein Geld. Ist es einmal online, könnte ja jemand aufmerksam werden und das könnte der Jackpot sein. Ob im Job oder in der Liebe.
Mich interessiert nun natürlich, ob auch andere diese Erfahrungen aus Internet Communitys gezogen haben. Ich persönlich bin sowohl im Studivz als auch bei XING aktiv, mit realer Identität. Und nutze es sehr passiv, was die Kontaktsuche angeht. Bereit Geld dafür auszugeben bin ich nicht. Allerdings freue ich mich, dass ich über diese Netzwerke bequem Kontakt zu Leuten halten kann, die nicht zu meinem engsten Freundeskreis gehören.

von Benjamin Röber

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In loser Reihenfolge schreiben die Studenten des Seminars “Gesellschaft im Netz: Soziologische Betrachtungen und Perspektiven” (IfS Münster, WiSe 2007/08) Beiträge für diesen Weblog.

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