Der heutige Vortrag (17.10.) leitet die Ringvorlesung “Internet Gesellschaft” ein, deshalb soll hier ein kurzer Überblick über die Entwicklungen des Internet und die damit verbundenen gesellschaftlichen Reaktionen und Veränderungen dargestellt werden. Thies Albers M.A. und Thomas Dierschke M.A., die Organisatoren der Veranstaltung, zeigen auf, wie solche Transformationen aussehen können, in welchen Bereichen sie stattfinden und in welcher Weise darauf reagiert wird. Damit soll die Spannbreite der Veränderungen verdeutlicht und die Themen der folgenden Vorträge vorgestellt werden.
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Die Referenten:
Thomas Dierschke M. A. ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Soziologie der WWU Münster. Er beschäftigt sich hauptsächlich mit Integration, Organisation und sozialen Beziehungen.
Thomas Dierschke im Interview:
Wie verändert das Internet die Gesellschaft? Durch die Möglichkeiten zur Produktion, Speicherung und Distribution von Informationen, die das Internet bietet, kommt es in unterschiedlichen gesellschaftlichen Teilbereichen zu Veränderungsprozessen. Diese reichen von der Verschiebung von Machtposition über die Etablierung neuer Kommunikationsmuster bis zu neuen Formen des Umgangs mit der ei-genen Identität.
Welche sozialen/gesellschaftlichen Auswirkungen hat das Internet Ihrer Meinung nach? Die sozialen und gesellschaftlichen Auswirkungen, die mit dem Aufkommen des Internet und verwandten Techniken zusammenhängen, lassen sich meiner Meinung nach gut über drei verschiedene Blickwinkel erfassen, die mit den Schlagwörtern Dezentralisierung, Zu-gang und Virtualität umschrieben werden können.
Mit Blick auf die Dezentralisierung scheint durch das Internet die Notwendigkeiten von zentralen, hierarchischen Instanzen zur Koordination von Prozessen geringer zu werden. Beispiele dafür sind Blogs und Wikipedia, die die Entscheidung darüber was als Wahrheit oder Nachricht gelten kann, nicht mehr in der Hand einiger Redakteure belässt, sondern auf eine breite Masse von Internetnutzern verteilt. Solche Prozesse der Dezentralisierung, die sich auch in anderen Bereichen beobachten lassen, führen zu einer Verschiebungen gesellschaftlichtlicher Machtpositionen.
Mit dem zweiten Schlagwort „Zugang“ verbinde ich den schnellen Zugang zu Informatio-nen jedweder Art. Angefangen bei Personen, über Produktbewertungen aus verschie-densten Quellen, bis hin zu Informationen über Behandlungsmöglichkeiten von Krankhei-ten, bietet das Internet Zugang zu Informationen die unsere Sicht auf die soziale Umwelt gravierend verändern können. Ein gutes Beispiel dafür ist die Entstehung von Foren in denen sich Menschen mit seltenen Interessen (seltenen Krankheiten, Lebensstile) austau-schen und so von einem unverstanden Individuum zum Teil einer Gruppe mit ähnlichen Interessen werden können.
Mit dem Blickwinkel der Virtualität möchte ich auf die Folgen der Entwicklung von Hand-lungsräumen hinweisen, die sich mehr oder weniger von körpergebundene Handlungszu-sammenhängen entfernen. Dies fängt beim Umgang mit der eigenen Identität im Rahmen von Chats oder social network services (z. B. studivz) an und reicht bis hin zu virtuellen Welten wie World of Warcraft oder Second Life. Hier können soziale Handlungszusam-menhänge entstehen, in denen soziale Rollen und Regeln freier verhandelbar sind, Hand-lungsräume deren Regelungs- und Kontrollinstanzen sich erst noch entwickeln müssen.
Was interessiert Sie an den sozialen/gesellschaftlichen Auswirkungen des Internet? Als Soziologe interessiere ich mich besonders für gesellschaftliche Umbruchphasen, in denen soziale Strukturen, Handlungs- und Deutungsmuster in Frage gestellt werden. Hier ergibt sich die Möglichkeit die Beständigkeit dieser zu beobachten und dabei nur schwer hinterfragbare soziale Tatbestände genauer unter die Lupe zu nehmen.
Die Nutzung und Etablierung des Internet stellt für mich eine solche Umbruchphase dar, deren Auswirkungen auf soziale Beziehungen, Arbeit und Produktionsprozesse mich be-sonders interessieren.
freier verhandelbar sind, Handlungsräume deren Regelungs- und Kontrollinstanzen sich erst noch entwickeln müssen.
Seine Internet-Tipps:
Netzwerke: www.xing.com, www.studivz.net, www.facebook.com, www.myspace.com
Links: www.digg.com, del.icio.us
Wirtschaft: www.prosper.com, www.ebay.de, www.hitflip.de
Medien: www.youtube.com, www.flickr.com, www.wikipedia.org
Blogs: orgtheory.wordpress.com, www.sozlog.de, www.bamberg-gewinnt.de/wordpress, www.bildblog.de, www.podsitter.com/wordpress
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Thies Albers M.A. ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der WWU Münster. Neben Mediensoziologie und vor allem Filmsoziologie liegen seine Arbeitsschwerpunkte bei Öffentlichkeit und der Bildung der Öffentlichen Meinung. Von besonderem Interesse sind für ihn die meinungsbildenden Strukturen, die durch das Internet entstehen bzw. durchbrochen werden.
Thies Albers im Interview:
Wie verändert das Internet die Gesellschaft? In nicht einmal 10 Jahren ist das Internet zum Massenmedium aufgestiegen, nach der ARD/ZDF-Onlinestudie sind gegenwärtig fast 60% der Bundesbürger online. Weltweit verbindet das Internet inzwischen 1,2 Mrd. Menschen. Diese Zahlen belegen, dass durch den Gebrauch des Internets sich die Mediennutzung massiv geändert hat und somit ist ein neuer Raum für (Gegen-)Öffentlichkeit ist entstanden. Webseiten, Blogs, Foren, Communities etc. beeinflussen heutzutage die öffentliche Meinung nicht unwesentlich mit, vom einfachen DVD-Tipp bis hin zur politischen Wahlentscheidung.
Generell lässt sich sagen, dass die Stellung von Medien und Technik (das Internet stellt hier die perfekte Symbiose dar) einen immer größeren Stellenwert in der Gesellschaft zu haben scheint, was sich u.a. an verschiedenen Gesellschaftsbegriffen ablesen lässt: Informations-, Wissens-, Medien- oder Netzwerkgesellschaft.
Welche sozialen/gesellschaftlichen Auswirkungen hat das Internet Ihrer Meinung nach? Die Auswirkungen des Internet lassen sich in vielen Bereichen ablesen. Die neuen technischen Möglichkeiten führen zu einer immer stärkeren Vernetzung, in jeglicher Hinsicht, die Mobilität und Flexiblität wird für jeden Menschen im privaten als auch im beruflichen Bereich immer wichtiger und das Internet, als Kommunikations- Distributionsplattform, spielt in diesem Prozess eine zentrale Rolle. In Zeiten von „Web 2.0“ werden Medien aber nicht mehr nur passiv genutzt, sondern es wird nun aktiv mitgestaltet. Mit Projekten wie z.B. Wikipedia wird das Netz ein Ort des kollektiven Wissens. Alle Menschen können von der „Weisheit der Vielen“ (James Surowiecki) profitieren. Ob das „Web 2.0“ zur „Aufklärung 2.0“ führt, wird die Zukunft zeigen. ![]()
Aber auch im ökonomischen Bereich spielt das Internet eine immer wichtigere Rolle: Von der Unterstützung im globalen Produktionsprozess bis hin zum Online-Verkauf von Nischenprodukten (Stichwort: Chris Andersons Theorie des „Long Tails“).
Was interessiert Sie an den sozialen/gesellschaftlichen Auswirkungen des Internet? Von besonderem Interesse sind die Meinungsbildendenstrukturen, die durch das Internet entstehen bzw. durchbrochen werden: Wie werden Meinungen über Webseiten, Blogs, Foren, Communities etc. gebildet? Wie entstehen dort (Gegen-)Öffentlichkeiten?
Seine Internet-Tipps:
Zum Arbeiten:
Telepolis , Howard Rheingold , Henry Jenkins , Bamblog , Sozlog
und zum Entspannen:
Lesen: Fünf-Filmfreunde , Hören: Ohrensessel , Sehen: Ehrensenf
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Literatur zur Vor-/Nachbereitung des Vortrags:
- Szugat, Martin / Gewehr, Jan Erik / Lochmann, Cordula (2006): Social Software. Blogs, Wikis & Co., Paderborn.
- Möller, Erik (2006): Die heimliche Medienrevolution. Wie Weblogs, Wikis und freie Software die Welt verändern, Hannover.
















Oktober 26th, 2007 at 19:38
hallo zusammen,
die vorlesung ist super! aber wo gibt es denn die präsentationsfolien???
beste grüße,
andreas